Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 100 IV 31 KI-generiert

Supreme Court Ruling on Whether a Share Certificate is a "Thing" for Receiving Stolen Goods

Geschäftsnummer BGE 100 IV 31
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

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Supreme Court Ruling on Whether a Share Certificate is a "Thing" for Receiving Stolen Goods A convicted individual challenged a judgment for receiving stolen goods (hehlerei) under Art. 144 StGB, arguing that a certificate representing registered shares (Namenaktien) is not a "thing" (Sache) under the law because a non-authorized person cannot dispose of it and the rights holder does not require the physical paper to assert their shareholder rights. The Supreme Court ruled that the certificate, which represented 20 registered shares and was transferable through endorsement and title delivery (Art. 684 OR), constitutes a security (Wertpapier) and therefore qualifies as a "thing" under Art. 137 ff. StGB, regardless of whether the shares were restricted or if the owner was registered in the share register (Art. 685 OR). The Court reasoned that possessing the title is essential for transferring the proprietary rights (Vermögensrechte) and, in some cases, the membership rights (Mitgliedschaftsrechte), and its theft impairs the owner's legal position, thereby fulfilling the objective requirement for receiving stolen goods.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Art. 144 StGB. Ein Zertifikat über Namenaktien hat die Eigenschaften eines Wertpapiers und stellt eine Sache im Sinne der Art. 137 ff. StGB dar.

Schlagwörter

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Aktienzertifikat Hehlerei Rechte des Gesellschafters vinkulierte Namenaktie Recht auf Mitgliedschaft Art der Zuwiderhandlung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BGE 86 II 95
Former Director v. Corporation Regarding Validity of Universal Assembly Resolutions
BGE 86 II 98
165 OR hätte übertragen werden können, ändert nichts, denn auch diese Art der Übertragung erfordert zusätzlich die Übergabe des Titels; das gilt für ein auf den Namen lautendes Aktienzertifikat sogut wie für Namenaktien (BGE 86 II 98).
BGE 87 II 256
des Zertifikates stützt, kann sich weder der Eingetragene noch die Gesellschaft berufen (BGE 87 II 256; BGE 90 II 171 E.
BGE 90 II 171
des Zertifikates stützt, kann sich weder der Eingetragene noch die Gesellschaft berufen (BGE 87 II 256; BGE 90 II 171 E.
BGE 83 II 302
BGE 90 II 239
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 144 StGB

The finding that the share certificate qualified as a security and thus a 'thing' for the purposes of theft and concealment (Art. 137 ff. StGB) directly addresses the objective element of the offense of receiving stolen goods (Hehlerei) under Art. 144 StGB.

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«…3. Ergänzende rechtliche Erwägungen Gegenstand der Hehlerei können nur körperliche Sachen sein (BGE 81 IV 158; BGE 100 IV 31 BGE; 101 IV 405; OFK/StGB-ANDREAS DONATSCH, StGB Art. 160 N 2). Das schliesst auch Wertpapiere und Geld mit ein. Blosse…»
Jug.2017.195 (2017-04-26) · vd
Theft Conviction Upheld Despite Claim of Share Transfer
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Appeal Regarding Dismissal of Appropriation Charges Following Lapse of Mortgage Enforcement Proceedings
«…ère appartenant à autrui. Les créances et autres droits ne sont en principe pas une chose mobilière (ATF 103 IV 89; ATF 100 IV 31; Corboz, Les infractions en droit suisse, vol. I, Berne 2002, p. 215; cf. également : ATF 6B\_313/2008, du 25 juin 2008…»
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«…n terzo, esclusi quindi gli immobili, i crediti non incorporati in un titolo, i dati non materializzati (DTF 111 IV 74, 100 IV 31; 72 IV 118; Cassani, in: FJS 953, 1986). Secondo il Tribunale Federale, una cosa è affidata quando l’autore ne acquis…»
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6B_141/2007 (2007-09-24)
«…t ist, dass es ohne die Urkunde weder geltend gemacht noch übertragen werden kann ( BGE 81 IV 156 E. 1; vgl. auch BGE 100 IV 31 ; Weissenberger, a.a.O., Art. 160 N 10 ). Nach den Feststellungen der Vorinstanz liegt im zu beurteilenden Fall als Vo…»
BGE 116 IV 134
«…&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F103-IV-87%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page89) sowie [BGE 100 IV 31](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
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«…n terzo, esclusi quindi gli immobili, i crediti non incorporati in un titolo, i dati non materializzati (DTF 111 IV 74, 100 IV 31; 72 IV 118; Cassani, in: FJS 953, 1986). Secondo il Tribunale Federale, una cosa è affidata quando l’autore ne acquis…»
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«…3. Ergänzende rechtliche Erwägungen Gegenstand der Hehlerei können nur körperliche Sachen sein (BGE 81 IV 158; BGE 100 IV 31 BGE; 101 IV 405; OFK/StGB-ANDREAS DONATSCH, StGB Art. 160 N 2). Das schliesst auch Wertpapiere und Geld mit ein. Blosse…»

Volltext

Urteilskopf

100 IV 31

9. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 15. Februar 1974 i.S. Beuret gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich.

Regeste

Art. 144 StGB.

Ein Zertifikat über Namenaktien hat die Eigenschaften eines Wertpapiers und stellt eine Sache im Sinne der Art. 137 ff. StGB dar.

Erwägungen ab Seite 31

BGE 100 IV 31 S. 31

Aus den Erwägungen:

Der Beschwerdeführer bestreitet den objektiven Tatbestand der Hehlerei mit der Begründung, ein Zertifikat über Namenaktien sei keine Sache im Sinne des Art. 144 StGB, da ein Nichtberechtigter über dasselbe nicht verfügen könne und anderseits der Berechtigte dieses Papier nicht benötige, um seine Rechte als Aktionär geltend zu machen.

Das Zertifikat, das der Beschwerdeführer angenommen und verheimlicht hat, bezeichnet sich als "Zertifikat Nr. ... über 20 Namen-Aktien Nr. ... bis Nr. ... im Nennwert von je eintausend Franken, Fr. 20 000.-- Gesamtwert". Es enthält anschliessend den Namen des Eigentümers und die datierte und unterzeichnete Erklärung der Siewerdt-Garage AG, der Eigentümer sei mit den darin bezeichneten volleinbezahlten Aktien als Aktionär an dieser Gesellschaft "mit allen Rechten und Pflichten beteiligt, wie sie durch Gesetz und Statuten festgesetzt sind". Auf der Rückseite befindet sich ein tabellenmässiger Vordruck zur Aufnahme von Übertragungserklärungen und zur Bescheinigung der bezüglichen Vormerkung im Aktienbuch.

Dieses Zertifikat vertrat wie in dem in BGE 86 II 95 ff. veröffentlichten Fall die Aktien. Es lautete auf den Namen und unterstand dem Art. 684 OR, wonach die Übertragung von Namenaktien durch Übergabe der indossierten Aktientitel

BGE 100 IV 31 S. 32

an den Erwerber erfolgen kann. Es war ein Wertpapier, wie Namenaktien Wertpapiere sind. Dass es statt durch Indossament auch durch einen besonderen Abtretungsvertrag nach Art. 165 OR hätte übertragen werden können, ändert nichts, denn auch diese Art der Übertragung erfordert zusätzlich die Übergabe des Titels; das gilt für ein auf den Namen lautendes Aktienzertifikat sogut wie für Namenaktien (BGE 86 II 98). Ebensowenig fehlt ihm die Eigenschaft als Wertpapier deshalb, weil im Verhältnis zu der Gesellschaft als Aktionär nur betrachtet wird, wer im Aktienbuch eingetragen ist (Art. 685 Abs. 4 OR). Die Eintragung in das Aktienbuch setzt einen Ausweis über die formrichtige Übertragung der Aktie bzw. des Zertifikates voraus (Art. 685 Abs. 2 OR) und ist durch die Verwaltung der Gesellschaft auf dem Titel zu bescheinigen (Art. 685 Abs. 3 OR). Die Eintragung in das Aktienbuch wirkt nicht konstitutiv. Die Aktiengesellschaft kann nicht jemanden, der das Eigentum an der Aktie bzw. am Zertifikat nicht erworben hat oder sich darüber nicht ausweist, durch Eintragung zum Aktionär machen. Auf eine Eintragung, die sich nicht auf den Ausweis über die formrichtige Übertragung der Aktie bzw. des Zertifikates stützt, kann sich weder der Eingetragene noch die Gesellschaft berufen (BGE 87 II 256; BGE 90 II 171 E. 3). Selbst wenn die Gesellschaft die Eintragung in das Aktienbuch aus Gründen, die in den Statuten vorgesehen sind, oder ohne Angabe von Gründen verweigern kann (Art. 686 Abs. 1 und 2 OR), verliert die Namenaktie bzw. das Zertifikat die Eigenschaft eines Wertpapieres nicht. Der Erwerber vinkulierter Namenaktien, dem diese ordnungsgemäss indossiert worden sind, erwirbt trotz der Nichtgenehmigung der Übertragung seitens der Gesellschaft nicht nur die Vermögensrechte aus den Aktien, sondern auch das Eigentum an den Titeln; dem Veräusserer bleiben nur die Mitgliedschaftsrechte; nur diese kann er ohne das Papier geltend machen (BGE 83 II 302 E. 4; BGE 90 II 239 E. 2).

Das Zertifikat, das der Beschwerdeführer angenommen und verheimlicht hat (und später vernichtete), war somit eine Sache im Sinne der Art. 137 ff. StGB. Das gilt für den Hehler sogut wie für den Dieb. Dass auch Art. 144 StGB die Wertpapiere den Sachen gleichstellt, wurde nebenbei schon in BGE 81 IV 158 ausgeführt.

Es trifft nach dem Gesagten nicht zu, dass die Stellung des

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Eigentümers des Zertifikates durch die Wegnahme und Verheimlichung des Papiers nicht beeinträchtigt worden sei. Falls die Aktien der Siewerdt-Garage AG vinkuliert waren (was die Vorinstanz nicht festgestellt hat) konnte der Bestohlene zwar seine Mitgliedschaftsrechte in der Gesellschaft weiterhin ohne das Papier geltend machen; seine Vermögensrechte waren aber an den Besitz des Papiers gebunden, und ohne diesen Besitz konnte er sie nicht übertragen. Falls die Aktien nicht vinkuliert waren, konnte der Eigentümer auch seine Mitgliedschaftsrechte nicht ohne den Besitz des Papiers abtreten. Auf die Behauptung des Beschwerdeführers, die Siewerdt-Garage AG habe nur drei Aktionäre und diese kennten einander, kommt nichts an. Hehlerei setzt sowenig wie Diebstahl voraus, dass das gestohlene Wertpapier leicht veräussert werden könne und der Erwerber nicht Gefahr laufe, bei der Geltendmachung der Rechte aus dem Papier als Nichtberechtigter entlarvt zu werden. Unerheblich ist auch, dass der Bestohlene das Papier kraftlos erklären lassen kann. Ebensowenig kommt auf die Auffassung des Beschwerdeführers,der Bestohlene hätte sich nach der Entdeckung der Tat einen Interimsschein ausstellen lassen können, der ihm während der der Kraftloserklärung vorausgehenden Auskündungsfrist von mindestens sechs Monaten alle Rechte verschafft hätte, etwas an; ganz abgesehen davon, dass der angerufene Art. 686 OR den Eigentümern abhanden gekommener Aktien oder Aktienzertifikate keineswegs Anspruch auf die Ausstellung von Interimsscheinen gibt. Der objektive Tatbestand der Hehlerei ist daher erfüllt.