Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 100 III 76 KI-generiert

Provisional Enforcement Order Appeal Deadline and Annulment Action Timing

Geschäftsnummer BGE 100 III 76
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

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Provisional Enforcement Order Appeal Deadline and Annulment Action Timing The debtor was granted a provisional enforcement order based on four bills of exchange and filed a late appeal against the decision; the appellate court dismissed the appeal as untimely because the statutory five-day appeal deadline, extended by three days due to enforcement holidays, had expired on January 4, 1973, while the appeal was filed on January 5, 1973. Consequently, the lower courts denied the subsequent action for annulment of the debt (Aberkennungsklage) as time-barred, finding that the 10-day deadline under SchKG Art. 83 para. 2 began running on January 4, 1973, when the appeal deadline expired without being utilized, and the action, filed on March 6, 1973, was therefore too late. The Federal Supreme Court confirmed this, reasoning that if cantonal law provides for an ordinary remedy against a provisional enforcement order, the annulment action deadline starts upon the upper court's decision or the unused expiration of the remedy period, and a belatedly filed appeal cannot prevent the legal finality of the provisional enforcement order or suspend the running of the annulment action deadline.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Aberkennungsklage (Art. 83 Abs. 2 SchKG) Sieht das kantonale Recht gegen den Rechtsöffnungsentscheid ein ordentliches Rechtsmittel vor, so beginnt die Frist für die Einreichung der Aberkennungsklage erst mit dem Entscheid der oberen Instanz bzw. mit dem unbenutzten Ablauf der Rechtsmittelfrist zu laufen. Ein verspätet eingereichtes Rechtsmittel vermag den Lauf der Klagefrist nicht zu hemmen.

Schlagwörter

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Zulassung der Zwangsvollstreckung Nichtigkeitsklage im Gemeinschaftsrecht gesetzliche Frist nachträglicher Rechtsvorschlag gezogener Wechsel Klagefrist

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BGE 77 III 138
mit dem unbenutzten Ablauf der Rechtsmittelfrist zu laufen (BGE 77 III 138, BGE 47 III 67 ff.; FAVRE, Droit des poursuites, 3.
BGE 47 III 67
mit dem unbenutzten Ablauf der Rechtsmittelfrist zu laufen (BGE 77 III 138, BGE 47 III 67 ff.; FAVRE, Droit des poursuites, 3.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 66 al. 1 LTF

Used for the imposition of court costs on the losing party.

Art. 83 Abs. 2 SchKG

The provision defining the right to bring an action for annulment (Aberkennungsklage) which was the subject matter of the lower court's decision being reviewed.

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (10)

ZK 2008 452 (2008-09-26) · be
Negative Declaration Action During Appeal of Provisional Legal Opening Decision
«…lung des oberinstanzli- chen Rechtsöffnungsentscheids bzw. mit dem unbenutztem Ablauf der Rechtsmittel- frist (BGE 100 III 76, 104 II 141, 115 III 91, 124 III 34, 127 III 569; ZBJV Nr. 135 (1999) S. 243). Wurde einem ausserordentlichen Rechtsm…»
12.2006.53 (2006-05-31) · ti
Share Purchase Contract Challenge Timeliness Appeal
«…tto dell¿opposizione (**IICCTF** 27 febbraio 2003 5C.248/2002; **DTF** 127 III 569, 124 III 34, 104 II 141, 101 III 40, 100 III 76), mentre se lo stesso viene conferito, il termine decorrerà, ancora una volta, dalla notificazione della decisione dell…»
12.2006.56 (2006-05-31) · ti
Debt Acknowledgement Challenge Based on Timing of Appeal Expiration
«…tto dell’opposizione (**IICCTF** 27 febbraio 2003 5C.248/2002; **DTF** 127 III 569, 124 III 34, 104 II 141, 101 III 40, 100 III 76), mentre se lo stesso viene conferito, il termine decorrerà, ancora una volta, dalla notificazione della decisione dell…»
5C.87/2001 (2001-10-02)
«…mainlevée ( ATF 124 III 34 consid. 2a p. 35; 104 II 141 consid. 2 p. 142/143; 101 III 40 consid. 2 et 3 p. 42/43; 100 III 76 consid. 1 p. 77 et les références citées). Dans l'arrêt publié aux ATF 104 II 141 (consid. 3 in fine p. 144), sur le…»
BGE 127 III 569
«…ATF 124 III 34 consid. 2a p. 35; ATF 104 II 141 consid. 2 p. 142/143; ATF 101 III 40 consid. 2 et 3 p. 42/43; ATF 100 III 76 consid. 1 p. 77 et les références citées). Dans l'arrêt publié aux ATF 104 II 141 (consid. 3 in fine p. 144), sur le…»
BGE 115 III 91
«…orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F104-II-141%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page141) ff.; [BGE 100 III 76](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
BGE 104 II 141
«…omento in cui il termine di ricorso è spirato o il ricorso è stato ritirato. È la soluzione che si deduce anche da [DTF 100 III 76](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date…»
12.2006.53 · ti
Appeal Against Time-Barred Debt Contestation Ruling Based on Change in Procedural Jurisprudence
«…tto dell¿opposizione (**IICCTF** 27 febbraio 2003 5C.248/2002; **DTF** 127 III 569, 124 III 34, 104 II 141, 101 III 40, 100 III 76), mentre se lo stesso viene conferito, il termine decorrerà, ancora una volta, dalla notificazione della decisione dell…»
12.2006.56 · ti
Debt Disallowance Timeliness: Start Date of Statutory Period Following Provisional Rejection of Opposition
«…tto dell’opposizione (**IICCTF** 27 febbraio 2003 5C.248/2002; **DTF** 127 III 569, 124 III 34, 104 II 141, 101 III 40, 100 III 76), mentre se lo stesso viene conferito, il termine decorrerà, ancora una volta, dalla notificazione della decisione dell…»
PKG 1998 39 · gr
Contestability of Realization Notification and Deadline for Declaratory Action Against Debt
«…als diese aufschiebende Wirkung andauert (BGE 124 III 34 Erw. 2a, 115 III 91 Erw. 2, 104 II 141 f£, 101 III 40 Erw. 2, 100 III 76 /77), oder anders formuliert: Solange der Rechtsöffnungsentscheid nicht rechtskräftig ist, beginnt die Frist für die Ab…»

Volltext

Urteilskopf

100 III 76

20. Urteil der II. Zivilabteilung vom 18. Dezember 1974 i.S. Oetiker gegen Severin & Co.

Regeste

Aberkennungsklage (Art. 83 Abs. 2 SchKG)

Sieht das kantonale Recht gegen den Rechtsöffnungsentscheid ein ordentliches Rechtsmittel vor, so beginnt die Frist für die Einreichung der Aberkennungsklage erst mit dem Entscheid der oberen Instanz bzw. mit dem unbenutzten Ablauf der Rechtsmittelfrist zu laufen. Ein verspätet eingereichtes Rechtsmittel vermag den Lauf der Klagefrist nicht zu hemmen.

Sachverhalt ab Seite 76

BGE 100 III 76 S. 76

A.- Mit Zahlungsbefehl Nr. 424 des Betreibungsamtes Hergiswil vom 31. Oktober 1972 betrieb die in Berlin ansässige Firma Severin & Co., Assekuranz, Finanzierung, Vermittlung, gestützt auf vier Eigenwechsel den Schuldner Ernst Oetiker für einen Betrag von Fr. 130 680.-- nebst Zins, Kommission und Protestkosten. Auf Rechtsvorschlag hin gewährte der Einzelrichter für Schuldbetreibung und Konkurs Nidwalden am 29. November 1972 der Gläubigerin provisorische Rechtsöffnung. Gegen diesen Entscheid, der ihm am 16. Dezember 1972 zugestellt worden war, legte der Vertreter des Schuldners mit Eingabe vom 5. Januar 1973 Berufung ein. Das Konkursgericht des Kantons Nidwalden trat jedoch mit Urteil

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vom 5. Februar 1973, den Parteien zugestellt am 26. Februar 1973, auf die Berufung nicht ein. In der Begründung führte es aus, die 5-tägige Berufungsfrist habe in den Betreibungsferien geendet, weshalb sie bis zum dritten Tag nach dem Ende der Ferienzeit verlängert worden sei (Art. 63 SchKG). Da der 2. Januar (Berchtoldstag) in Nidwalden kein Feiertag sei, sei die 3-tägige Verlängerungsfrist am 4. Januar 1973 abgelaufen. Die am 5. Januar 1973 zur Post gegebene Berufung sei somit verspätet erfolgt.

B.- Am 6. März 1973 reichte der Schuldner beim Kantonsgericht des Kantons Nidwalden Aberkennungsklage ein. Das Kantonsgericht trat jedoch mit Urteil vom 27. Februar 1974 nicht auf die Klage ein. Hiegegen appellierte der Kläger an das Obergericht des Kantons Nidwalden, welches indessen am 11. Juli 1974 das Urteil des Kantonsgerichts bestätigte. Beide Gerichte gingen davon aus, die 10-tätige Frist für die Einreichung der Aberkennungsklage habe schon mit dem unbenützten Ablauf der Berufungsfrist gegen den Rechtsöffnungsentscheid und nicht erst mit dem Nichteintretensentscheid des Konkursgerichts zu laufen begonnen. Die erst am 6. März 1973 zur Post gegebene Klage sei daher verspätet.

C.- Mit der vorliegenden Berufung ans Bundesgericht beantragt der Kläger, das Urteil des Obergerichts sei aufzuheben und die Sache sei zur materiellen Behandlung der Aberkennungsklage an die Vorinstanz zurückzuweisen.

Eine Berufungsantwort wurde nicht eingeholt.

Erwägungen

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1. Nach Art. 83 Abs. 2 SchKG kann der Betriebene binnen 10 Tagen seit der provisorischen Rechtsöffnung auf dem Weg des ordentlichen Prozesses auf Aberkennung der Forderung klagen. Sieht das kantonale Recht gegen den Rechtsöffnungsentscheid ein ordentliches Rechtsmittel vor, so beginnt die Klagefrist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung erst mit dem Entscheid der oberen Instanz bzw. mit dem unbenutzten Ablauf der Rechtsmittelfrist zu laufen (BGE 77 III 138, BGE 47 III 67 ff.; FAVRE, Droit des poursuites, 3. Aufl., S. 159; JAEGER, N. 7 zu Art. 83 SchKG; BRAND, SJK 957 S. 4).

Im vorliegenden Fall lief die Frist für die Berufung gegen

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den Rechtsöffnungsentscheid unbestrittenermassen am 4. Januar 1973 unbenutzt ab. Der Entscheid wurde damit rechtskräftig, und die 10-tätige Frist für die Aberkennungsklage begann zu laufen. Die verspätet eingereichte Berufung vermochte daran nichts mehr zu ändern. Zu Recht hat deshalb die Vorinstanz angenommen, die erst am 6. März 1973 zur Post gegebene Aberkennungsklage sei nicht fristgerecht gewesen.

2. Der Kläger bringt nichts vor, was geeignet wäre, dies zu widerlegen. Er macht im wesentlichen geltend, erst wenn das Rechtsöffnungsverfahren endgültig, d.h. also gegebenenfalls auch vor zweiter Instanz, erledigt sei, habe sich der Betriebene um den Aberkennungsprozess zu kümmern, und erst in diesem Zeitpunkt beginne deshalb die Frist von Art. 83 Abs. 2 SchKG zu laufen. Dass nur die endgültige Erledigung des Rechtsöffnungsverfahrens den Fristenlauf in Gang zu setzen vermag, steht nicht zur Diskussion. Unbestritten ist auch, dass der Rechtsöffnungsentscheid nicht definitiv ist, wenn der Betriebene dagegen Berufung eingelegt hat, mag sich diese in der Folge als begründet erweisen oder nicht. Kann jedoch die Rechtsöffnung nicht oder nicht mehr mit Berufung angefochten werden, so wird sie definitiv, das Rechtsöffnungsverfahren ist endgültig erledigt, und der Lauf der Klagefrist beginnt. Die Vorinstanz weist zu Recht darauf hin, dass die gegenteilige Lösung zu Missbräuchen führen könnte, hätte es doch der Schuldner in der Hand, noch nach Jahr und Tag gegen den Rechtsöffnungsentscheid Berufung einzulegen, einen Nichteintretensentscheid der Rechtsmittelinstanz zu erwirken und dadurch den Fristenlauf erneut in Gang zu setzen. Dass eine unzulässige Appellation die bereits laufende Frist für die Einreichung der Aberkennungsklage nicht zu hemmen vermag, hat das Bundesgericht übrigens bereits in BGE 77 III 138/139 klar zum Ausdruck gebracht.

Sodann rügt der Kläger, das Obergericht verkenne die aufschiebende Wirkung der Berufung. Unter Hinweis auf GULDENER, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 2. Aufl., S. 500, führt er aus, auch einer unzulässigerweise eingelegten Berufung komme diese Wirkung zu, denn der Entscheid über die Zulässigkeit eines Rechtsmittels sei im Rechtsmittelverfahren zu fällen; bis er ergangen sei, entfalte auch das unzulässige Rechtsmittel seine Wirkung. Dass auch ein unzulässiges Rechtsmittel

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gewisse Wirkungen entfalten kann, trifft zwar zu (vgl. immerhin Art. 54 Abs. 2 OG, wonach der Eintritt der Rechtskraft eines berufungsfähigen kantonalen Entscheides nur durch zulässige Berufung und Anschlussberufung gehemmt wird; ferner LEUCH, N. 1 zu Art. 334 bern. ZPO, wonach gemäss bernischem Prozessrecht die Rechtskraft eines appellabeln Urteils, gegen das eine unzulässige Appellation eingelegt worden ist, bereits im Zeitpunkt des Ablaufs der Appellationsfrist eintritt). Eine verspätete Berufung vermag indessen den Eintritt der Rechtskraft des angefochtenen Entscheids nicht mehr rückgängig zu machen. Gewiss kann streitig sein, ob ein Rechtsmittel fristgerecht ist. In einem solchen Fall besteht in der Tat ein gewisser Schwebezustand, bis die obere Instanz über diese Frage entschieden hat. Hat sie dies aber getan und die Rechtzeitigkeit des Rechtsmittels verneint, so bleibt es dabei, dass der angefochtene Entscheid in Rechtskraft erwachsen ist. Aus der Suspensivwirkung der Berufung ist daher für den vorliegenden Fall nichts abzuleiten.

Die Berufung erweist sich somit offensichtlich als unbegründet.