Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 100 II 450 KI-generiert

Internationales Privatrecht

Geschäftsnummer BGE 100 II 450
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

Exclusive Distributor's Performance as Characteristic Performance for Choice of Law The Swiss Federal Supreme Court addressed the applicable law for an exclusive distribution agreement and an associated development contract in a private international law dispute. The core issue was determining which party provided the "characteristic performance" of the exclusive distribution agreement to establish the closest spatial connection for choice of law in the absence of a party agreement. Contrary to earlier precedents that often favored the law of the principal's domicile (emphasizing the principal's duties as a seller), the court held that the exclusive distributor's performance—actively promoting sales in a foreign country and making turnover dependent on its efforts—is functionally and economically the more significant and characteristic performance. Consequently, the court applied Swiss law, the location of the exclusive distributor (defendant), to both the distribution agreement and the related development contract (treated as a simple partnership), reversing previous jurisprudence by recognizing the pivotal role of the distributor's efforts in achieving the contract's primary purpose.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Internationales Privatrecht. Bestimmung des anwendbaren Rechtes inbezug auf den Alleinvertretungsvertrag (Anderung der Rechtsprechung) und die einfache Gesellschaft.

Schlagwörter

KI-generiert
Alleinvertreter charakteristische Leistung Rechtswahl Verkäufer als Vertragspartei Personengesellschaft Fremdes Recht

Zitierte Rechtsprechung

KI-generiert
BGE 100 II 37
Das ist in der Regel das Recht am Wohnsitz jener Partei, welche die den Vertrag kennzeichnende Leistung erbringt (BGE 100 II 37 /38, BGE 99 II 318 /19, BGE 96 II 89).
BGE 99 II 318
Das ist in der Regel das Recht am Wohnsitz jener Partei, welche die den Vertrag kennzeichnende Leistung erbringt (BGE 100 II 37 /38, BGE 99 II 318 /19, BGE 96 II 89).
BGE 96 II 89
Das ist in der Regel das Recht am Wohnsitz jener Partei, welche die den Vertrag kennzeichnende Leistung erbringt (BGE 100 II 37 /38, BGE 99 II 318 /19, BGE 96 II 89).
BGE 78 II 81
Das Bundesgericht hat im Entscheid BGE 78 II 81 ff.
BGE 88 II 474
Im Urteil BGE 88 II 474 /75 hat das Bundesgericht einen Sonderfall dieser Art angenommen und einen Alleinvertretungsvertrag mit Rücksicht auf seine lange Dauer dem Recht am Wohnort des Alleinvertreters unterstellt.
BGE 78 II 82
Es hat aber offengelassen, ob an der in BGE 78 II 82 grundsätzlich vertretenen Auffassung überhaupt festgehalten werden könne.
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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (13)

4A_393/2021 (2022-03-04)
«…ung zur Bezahlung der vereinbarten Preise und zur Förderung des Absatzes verpflichtet (vgl. BGE 107 II 222 E. I.2.a; 100 II 450 f.; Urteile 4A_241/2017 vom 31. August 2018 E. 3; 4A_61/2008 vom 22. Mai 2008 E. 2, nicht publ. in BGE 134 III 497 ;…»
C/21380/2012 (2018-11-27) · ge
Exclusive Distributor Contract Termination and Compensation Dispute
«…contrepartie de quoi le distributeur exclusif s'engage à payer le prix et à promouvoir la distribution des biens (ATF [100 II 450](https://justice.ge.ch/apps/decis/fr/decis/search?query=100%20II%20450); arrêt du Tribunal fédéral [4C\_130/2004](https…»
C1 13 276 (2014-03-10) · vs
Exclusive Representation Agreement Jurisdiction Dispute and Theory of Double Relevance
«…usive, la jurisprudence a eu l’occasion de préciser que la prestation du représentant exclusif était prépondérante (ATF 100 II 450 et 124 III 188 consid. 4b/bb ; Sutter-Somm/Hedinger, n. 31 ad art. 31 CPC). En l’occurrence, la prestation caractéristi…»
TCVS C1 13 276 (2014-03-10) · vs
Jurisdiction Over Indemnity Claim Based on Alleged Exclusive Representation Contract
«…usive, la jurisprudence a eu l’occasion de préciser que la prestation du représentant exclusif était prépondérante (ATF 100 II 450 et 124 III 188 consid. 4b/bb ; Sutter-Somm/Hedinger, n. 31 ad art. 31 CPC). En l’occurrence, la prestation caractéristi…»
HC.2013.688 (2013-11-12) · vd
Jurisdiction Over Venezuelan Appellant in Contract Dispute Confirmed by Place of Performance
«…onsidérer que l'obligation prépondérante est celle du distributeur (ATF 124 III 188 c. 4, traduit in JT 1999 I 379; ATF 100 II 450; ATF 100 II 34 c. 4; Bonomi, op. cit., n. 40 ad art. 117 LDIP; Amstutz/Vogt/Wang, Basler Kommentar, 2e éd., 2007, n. 61…»
4A_613/2009 (2010-07-02)
«…t exclusif, dont l'activité a une importance fonctionnelle et économique plus grande que celle du vendeur-mandant ( ATF 100 II 450 p. 451; cf. également ATF 124 III 188 consid. 4b/bb p. 192). En l'espèce, le siège de la recourante est au Japon (cf…»
4A_582/2008 (2009-02-27)
«…ristique ( art. 117 al. 2 et 3 let . c LDIP), c'est-à-dire de l'associé qui gère principalement la société simple ( ATF 100 II 450 p. 452; arrêt C.288/1978 du 31 janvier 1979 consid. 2b, in SJ 1980 I p. 49). Comme en l'espèce, les deux associés sont…»
C1 07 76 (2008-11-04) · vs
Internal Apportionment of Personal Guarantee Losses: Italian Partnership vs. Swiss Joint and Several Liability
«…ési- dence habituelle ou son établissement (art. 117 al. 2 et 3 let. c LDIP par le renvoi de l’art. 150 al. 2 LDIP; ATF 100 II 450, 452; SJ 1980 p. 192; SJ 1980 p. 49, 56; Vischer, Zürcher Kommentar zum IPRG, n. 23 ss ad art. 150 IPRG; Dutoit, Droit…»
ZF 2004 67 (2004-11-30) · gr
Importer/Distributor Debt Dispute: Application of Swiss Law Upheld
«…nd die Beklagte während dieser ausgesprochen langen Dauer regelmässig die Waren der Klägerin bezogen hat (vgl. dazu BGE 100 II 450, 88 II 474 /75); nach ihrer eigenen Darstel- lung handelte es sich um Waren im Wert von mindestens 1.5 Mio. DM. Die Bek…»
ZF 2004 67 (2004-11-30) · gr
Sports Import Company Debt Collection Case
«…nd die Beklagte während dieser ausgesprochen langen Dauer regelmässig die Waren der Klägerin bezogen hat (vgl. dazu BGE 100 II 450, 88 II 474 /75); nach ihrer eigenen Darstellung handelte es sich um Waren im Wert von mindestens 1.5 Mio. DM. Die Bekla…»
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BGE 124 III 188
«…en besteht dieser Bezug zum Vertriebsgebiet, weil sie auf dessen Wirtschafts- und Wettbewerbsleben einwirken (vgl. [BGE 100 II 450](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
BGE 107 II 356
«…eprésentation exclusive, dont la cour cantonale a retenu l'existence, à juste titre, entre la Romanut et Armellin ([ATF 100 II 450](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»

Volltext

Urteilskopf

100 II 450

67. Auszug aus dem Urteil der I. Zivilabteilung vom 10. Dezember 1974 i.S. Asbrink Eiker AB gegen Rapid Maschinen & Fahrzeuge AG.

Regeste

Internationales Privatrecht.

Bestimmung des anwendbaren Rechtes inbezug auf den Alleinvertretungsvertrag (Anderung der Rechtsprechung) und die einfache Gesellschaft.

Erwägungen ab Seite 450

BGE 100 II 450 S. 450

Nach Lehre und Rechtsprechung ist auf Verträge, die mit verschiedenen Rechtsordnungen Beziehungen haben, mangels Parteiabrede das Recht des Staates anzuwenden, mit dem sie räumlich am engsten zusammenhangen. Das ist in der Regel das Recht am Wohnsitz jener Partei, welche die den Vertrag kennzeichnende Leistung erbringt (BGE 100 II 37 /38, BGE 99 II 318 /19, BGE 96 II 89). Das Bundesgericht hat im Entscheid BGE 78 II 81 ff. anerkannt, dass der Alleinvertretungsvertrag wirtschaftlich gesehen zu den Vermittlungsverträgen gehöre und daher dem Agenturvertrag verwandt sei, für den Art. 418 b Abs. 2 OR auf das Recht des Landes verweise, in welchem der Agent seine Tätigkeit ausübe. Es hat aber für den Alleinvertretungsvertrag trotzdem das Recht am Wohnsitz des Geschäftsherrn als grundsätzlich massgebend erklärt, weil das Schwergewicht

BGE 100 II 450 S. 451

auf seinen Pflichten als Verkäufer liege. Indessen hat es Sonderfälle vorbehalten, in denen zwischen dem Geschäftsherrn und dem Alleinvertreter engere Beziehungen bestehen, so wenn z.B. ein Alleinvertretungsvertrag für eine lange Dauer abgeschlossen worden ist oder tatsächlich jahrelang bestanden hat oder wenn der Alleinvertreter keine Mindestabnahmepflicht eingegangen ist, wenn er seine ganze Arbeitskraft dem Geschäftsherrn zur Verfügung zu stellen hat. In solchen Fällen, sagt das Bundesgericht, sei es denkbar, dass bei der Ermittlung des anwendbaren Rechtes seine Stellung jener des Agenten gleichzuachten ist (BGE a.a.O. S. 82). Im Urteil BGE 88 II 474 /75 hat das Bundesgericht einen Sonderfall dieser Art angenommen und einen Alleinvertretungsvertrag mit Rücksicht auf seine lange Dauer dem Recht am Wohnort des Alleinvertreters unterstellt. Es hat aber offengelassen, ob an der in BGE 78 II 82 grundsätzlich vertretenen Auffassung überhaupt festgehalten werden könne. Im Entscheid BGE 78 II 82 wurde insbesondere ausgeführt, wesentlich sei für den Geschäftsherrn, eine bestimmte Menge Waren zu verkaufen, und für den Vertreter sie zu kaufen. Die vom Geschäftsherrn eingegangene Pflicht, niemand anders zu beliefern, diene lediglich der Verstärkung seiner Verkäuferpflichten, während die Pflicht des Alleinvertreters, den Absatz der Ware zu fördern und gewisse Interessen des Geschäftsherrn wahrzunehmen, bloss eine Begleiterscheinung des Alleinvertretungsrechtes sei. Solche Argumentation trägt indessen dem Zweck des Alleinvertretungsvertrages zuwenig Rechnung. Dieser besteht in erster Linie darin, dass der Geschäftsherr seine Ware durch einen selbständigen Kaufmann in einem andern Lande vertreiben lässt. Dazu kommt, dass die Grösse des Umsatzes - anders als beim Kauf- nicht zum voraus fest bestimmt, sondern vom Einsatz des Alleinvertreters abhängig ist. Deshalb ist die Leistung des Alleinvertreters funktionell und wirtschaftlich betrachtet bedeutender als jene des Geschäftsherrn (vgl. WYNIGER, vom Alleinverkaufsvertrag, insbesondere im Internationalen Privatrecht der Schweiz, S. 76 und 78; VISCHER, Internationales Privatrecht, in Schweizerisches Privatrecht I S. 674; SCHÖNENBERGER/JÄGGI, Kommentar zum OR, allgemeine Einleitung, Nachträge S. 612). Daraus ergibt sich, dass der Beklagte die für den Alleinvertretungsvertrag charakteristische Leistung erbracht hat, weshalb schweizerisches Recht anzuwenden ist.

BGE 100 II 450 S. 452

Der Entwicklungsvertrag sodann hat, sofern er als Gesellschaftsvertrag anzusehen ist, angesichts des als massgebend zu erachtenden Entwicklungszweckes seinen Schwerpunkt in der Leistung des Beklagten, also sachlich und örtlich in der Schweiz (vgl. SCHÖNENBERGER/JÄGGI, Kommentar zum OR, allgemeine Einleitung, N. 235-239, 323, ferner N. 322 in Verbindung mit SIEGWART, Vorbemerkungen zu Art. 530-551 OR N. 129). Es gilt somit auch hier schweizerisches Recht.