Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BGE 100 II 330 KI-generiert

Lease Extension Rent Determination for Incomplete Contract

Geschäftsnummer BGE 100 II 330
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Ausgang Teilweise gutgeheissen (Partially Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

Lease Extension Rent Determination for Incomplete Contract In 1959, tenants rented commercial premises and a flat for 10 years at a specified annual rent, and in 1963, due to construction costs borne by the tenants, the landlord agreed in writing to extend the lease for an additional 10 years after its expiration in 1969, but the parties failed to specify the rent for the extension period. The court determined that in light of constantly rising living costs and rents, it could not be assumed that the parties intended to continue the agreement at the original 1959 rent, but instead of considering the contract nonexistent under Art. 1 OR due to a lack of agreement on an essential point (rent), the court classified it as an incomplete contract since the parties agreed on the compensated use of the property. Applying a general legal principle analogous to Art. 322 para. 1, 374, and 394 para. 3 OR, which allows the judge to supplement an incomplete contract according to good faith, the court ruled that the extension agreement was valid in principle and required the judge to determine the rent for the extension period to supplement the contract, especially given their existing relationship and mutual agreement to extend the lease for the same premises.

Legislator-Regeste

Amtlich

Regeste Art. 1 OR. Unvollständiger Vertrag: Mieter und Vermieter vereinbaren, das Vertragsverhältnis bei dessen Ablauf um weitere zehn Jahre zu verlängern, sprechen sich über die Höhe des Mietzinses aber nicht aus.

Schlagwörter

KI-generiert
Erstreckung des Mietverhältnisses Mietzinsfestlegung kaufmännischer Vertrag niedrige Miete Ausweisung von Geschäftsmietern Vermieter

Zitierte Gesetzesbestimmungen

KI-generiert

Zitierte Rechtsprechung

KI-generiert
KI-generiert

Fragen Sie sich, wie dieser Entscheid auf Ihren Fall anwendbar ist?

Prüfen Sie diesen Entscheid zusammen mit Bundesrecht, kantonalen Erlassen, Kommentaren und Folgeentscheiden in Legislator AI.

Fall in Legislator öffnen →

Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (11)

BGE 119 II 347
Lease contract void for lack of agreed rent after initial term; no judicial supplementation of rent for future use.
«…ch Massgabe dessen, was die Parteien unter den gegebenen Umständen in guten Treuen vereinbart hätten, zu ergänzen ([BGE 100 II 330](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=fr&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
4A_70/2018 (2018-08-20)
«…entiale eines normierten Vertrages (Mietvertrag) bezog ( BGE 119 II 347 E. 5a S. 347 f.; 108 II 112 E. 4 S. 113 f.; 100 II 330 ; Urteil 5A_62/2014 vom 17. Oktober 2014 E. 2.2; zustimmend: GAUCH/SCHLUEP UND ANDERE, Schweizerisches Obligationenrech…»
A-4873/2014 (2015-10-21)
Servitude Agreement Valid, Compensation for All Anchors Awarded
«…n (Konsens) muss sich dabei auf alle wesentlichen Punkte des Vertrages beziehen (vgl. zum privatrechtlichen Vertrag BGE 100 II 330 f.; INGEBORG SCHWENZER, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, 6. Aufl. 2012, N. 29.03). Dazu zählen die…»
97.2013.DCA (2013-12-16) · vd
Dispute Over Shared Office Expenses and Equitable Indemnity
«…conclusion qu’un accord sur la cession onéreuse de l’usage d’une chose suffisait à faire naître un contrat de bail (ATF 100 II 330, JT 1975 I 609), le Tribunal fédéral s’est rallié à l’opinion d’une partie de la doctrine (Jeanprêtre, in JT 1975 I 610…»
ZK2 2011 61 (2013-01-04) · gr
Appellate Review of Void Lease Agreement and Quantum Meruit Recovery
«…sg.], Basler Kom- mentar, Obligationenrecht I, 5. Aufl., Basel 2011, Art. 1 N 77 mit Hinweis auf BGE 108 II 112 ff. und 100 II 330 ff.). Das Kantonsgericht hat bei der Beurteilung einer vom Eigentümer geduldeten Weiterbenutzung einer Wohnung nach Kün…»
ZK2 2011 62 (2012-12-10) · gr
Lease Invalidity and Factual Contract Relationship on Rental Arrears
«…Hrsg.], Basler Kommentar, Obligationenrecht I, 5. Aufl., Basel 2011, Art. 1 N 77 mit Hinweis auf BGE 108 II 112 ff. und 100 II 330 ff.). Das Kantonsgericht hat bei der Beurteilung einer vom Eigentümer geduldeten Weiterbenutzung einer Wohnung nach Kün…»
C/23480/2008 (2009-12-23) · ge
Contractual Trial Period Exceeding Statutory Limit and Notice Period Reformation
«…nces citées; cf. aussi ATF [108 II 113](https://justice.ge.ch/apps/decis/fr/decis/search?query=108%20II%20113) s., ATF [100 II 330](https://justice.ge.ch/apps/decis/fr/decis/search?query=100%20II%20330) s., ATF [99 II 294](https://justice.ge.ch/apps/…»
4C.114/2002 (2002-07-10)
«…digen Vertrages, wie von der Beklagten in Anlehnung an die betreffende Rechtsprechung ( BGE 119 II 347 ; 108 II 112 ; 100 II 330 ) vorgebracht wird. 2. 2.1 Weiter behauptet die Beklagte, das angefochtene Urteil verkenne den Begriff der wichtigen Gr…»
4C.247/2001 (2001-10-01)
«…er Vertragsergänzung üblichen Vorgehen vom Richter festgesetzt werden kann ( BGE 119 II 347 E. 5a; 108 II 112 E. 4; 100 II 330 ff.). Da die Verhältnisse im vorliegenden Fall vergleichbar sind, rechtfertigt es sich, sie auch rechtlich gleich zu b…»
BGE 111 II 260
«…&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F108-II-112%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page113) s., [ATF 100 II 330](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_dat…»
BGE 108 II 112
«…ag vor. Zwar fehlt es an einem bestimmten oder bestimmbaren Mietzins, doch setzt sich das Obergericht gestützt auf [BGE 100 II 330](https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=it&type=show_document&page=1&from_date=&to_date…»

Volltext

Urteilskopf

100 II 330

49. Auszug aus dem Urteil der I. Zivilabteilung vom 24. September 1974 i.S. Morel gegen Steiger.

Regeste

Art. 1 OR.

Unvollständiger Vertrag: Mieter und Vermieter vereinbaren, das Vertragsverhältnis bei dessen Ablauf um weitere zehn Jahre zu verlängern, sprechen sich über die Höhe des Mietzinses aber nicht aus.

Erwägungen ab Seite 330

BGE 100 II 330 S. 330

Mit Vertrag vom 20. Juli 1959 mieteten die Eheleute Fredy und Barbara Morel von Frau Steiger in Klosters für Fr. 4000.-- im Jahr ein Ladenlokal, eine Wohnung und einen Keller. Das Mietverhältnis sollte am 1. Oktober 1959 beginnen und zehn Jahre dauern. Gemäss schriftlicher "Abmachung" vom 1. Juli 1963 war die Vermieterin wegen Umbauten, die zu Lasten der Mieter gingen, mit einer Verlängerung des Mietverhältnisses um weitere zehn Jahre einverstanden.

Wenn es im Jahre 1963 dem Willen der Parteien entsprochen hätte, das Vertragsverhältnis ab 1. Oktober 1969 zum gleichen Mietzins fortzusetzen, hätten sie das ausdrücklich vereinbaren müssen. Ohne eine solche Vereinbarung darf angesichts der seit vielen Jahren ständig steigenden Lebenshaltungskosten, insbesondere auch der Mietzinse, nicht unterstellt werden, die Klägerin habe den Beklagten 1963 versprochen, die Räume ab 1. Oktober 1969 für weitere zehn Jahre zu dem bereits 1959 vereinbarten Zins zu vermieten.

Dagegen könnte freilich eingewendet werden, mangels einer Einigung der Parteien über einen wesentlichen Punkt, nämlich

BGE 100 II 330 S. 331

die Höhe des Mietzinses, sei für die Zeit seit 1. Oktober 1969 überhaupt kein Vertrag zustande gekommen. Damit würde man der Streitsache aber nicht gerecht. Gewiss sind in solchen Fällen die Verhandlungen in der Regel als gescheitert zu betrachten, übereinstimmende Willensäusserungen im Sinne von Art. 1 OR folglich zu verneinen. Davon ist jedoch der Fall zu unterscheiden, wo die Parteien sich auf die entgeltliche Überlassung einer Sache zum Gebrauch geeinigt, die Höhe des Entgeltes aber nicht bestimmt haben. Diesfalls liegt ein unvollständiger Vertrag vor, der im Streitfall vom Richter nach Treu und Glauben zu ergänzen ist (SCHÖNENBERGER/JÄGGI, N. 61 und 65 zu Art. 1 OR; PIOTET, La formation du contrat en doctrine générale et en droit privé suisse, S. 30 ff.).

Im Mietrecht fehlt allerdings eine den Art. 322 Abs. 1, 374 und 394 Abs. 3 OR analoge Bestimmung. Diesen Normen liegt indes ein allgemeiner Rechtssatz zugrunde (so auch, für das deutsche Recht, ROQUETTE, Das Mietrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches, Systematischer Kommentar, § 535 N. 238/9), dessen Anwendung hier umsomehr gerechtfertigt ist, als die Parteien zur Zeit der Vereinbarung vom 1. Juli 1963 bereits in einem Mietverhältnis standen und sich grundsätzlich darüber einig waren, den Vertrag über die gleichen Räume ab 1. Oktober 1969 um weitere zehn Jahre zu verlängern. Es verhält sich im vorliegenden Fall ähnlich wie in dem in BGE 99 II 290 ff. beurteilten, obwohl dort die Parteien eine Änderungsklausel ausdrücklich vereinbart haben.