Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
4A_86/2018 KI-generiert

Employee v. Employer (Violation of Right to Be Heard)

Geschäftsnummer 4A_86/2018
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

In this case, a former employee filed a lawsuit against their previous employer seeking compensation of CHF 30,000, which was dismissed by the labor court. The employee appealed the decision, requesting the opportunity to respond to the employer's appeal, but the court mistakenly concluded the process before acknowledging the employee's timely response. As a result, the employee's right to a fair hearing was violated, prompting them to seek a review from the federal court to overturn the prior decision and allow for reconsideration of the case.

Legislator-Regeste

KI-generiert

Art. 90 BGG, Art. 75 BGG, Art. 74 Abs. 1 lit. a BGG, Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK, Art. 105 Abs. 2 BGG; Employee v. Employer (Violation of Right to Be Heard): The employee appealed the decision, requesting the opportunity to respond to the employer's appeal, but the court mistakenly concluded the process before acknowledging the employee's timely response. As a result, the employee's right to a fair hearing was violated, prompting them to seek a review from the federal court to overturn the prior decision and allow for reconsideration of the case.

Schlagwörter

KI-generiert
Arbeitsrecht, Replikrecht Anspruch auf rechtliches Gehör Kognitionsbeschränkung Verletzung von Parteirechten Grundrechte Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten Verfassung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

KI-generiert

Zitierte Rechtsprechung

KI-generiert
KI-generiert

Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

KI-generiert
Art. 29 Abs. 2 BV

Cited in the reasoning as the constitutional basis for the right to be heard, which was violated, leading to the acceptance of the appeal.

Art. 105 Abs. 2 BGG

Mentioned in the reasoning regarding the limits of the Federal Tribunal's review of facts, but not explicitly cited in the dispositive orders.

Art. 66 Abs. 3 BGG

Cited in the reasoning as the basis for ordering the Canton Basel-Stadt to compensate the appellant.

Art. 66 Abs. 4 BGG

Cited in the reasoning regarding the non-imposition of court costs on the Canton Basel-Stadt.

Art. 97 Abs. 1 BGG

Mentioned in the reasoning regarding the limits of the Federal Tribunal's review of facts, but not explicitly cited in the dispositive orders.

Fragen Sie sich, wie dieser Entscheid auf Ihren Fall anwendbar ist?

Prüfen Sie diesen Entscheid zusammen mit Bundesrecht, kantonalen Erlassen, Kommentaren und Folgeentscheiden in Legislator AI.

Fall in Legislator öffnen →

Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (6)

RE220004 (2022-12-21) · zh
Appeal of Spousal Support and Legal Aid Denial Upheld
«…angefochtenen Entscheids (BGE 137 I 195 E. 2.2 S. 197; BGE 142 II 218 E. 2.8.1 S. 226; BGE 144 I 11 E. 5.3 S. 17; BGer 4A_86/2018 vom 6. August 2018, E. 2.3; CHK-Sutter-Somm/Seiler, ZPO 53 N 14), sofern eine Heilung im Rechtsmittelverfahren ausser B…»
5A_87/2022 (2022-11-02)
Claimants v. Defendant Regarding Will Validity and Unworthiness to Inherit: Appeal on Defective Conciliation Certificate
«…. 3; 5A_175/2018 vom 21. Juni 2019 E. 5.2; 5A_107/2019 vom 19. Juni 2019 E. 3; 5A_280/2018 vom 21. September 2018 E. 7; 4A_86/2018 vom 6. August 2018 E. 3; 5A_845/2016 vom 2. März 2018 E. 3.2; 5A_932/2016 vom 24. Juli 2017 E. 2.2.4; 5D_41/2016 vom 21…»
SK 2021 149 (2021-09-20) · be
Convict's Revision of Penalty Order Denied Despite Subsequent Acquittal on Similar Grounds
«…ar Schweizerische Bundesverfassung (BV), Basel 2015, N 40 und 48 zu Art. 29 BV; Urteil des Bundesgerichts 4A_86/2018 vom 6. August 2018 E. 2.2 mit Hinweisen). Das Gericht kann das Replikrecht auf verschiedene Weise gewähren. Zur…»
SK 2021 150 (2021-09-20) · be
Revision of Conviction for Exclusion Order Violation Denied Despite Later Acquittals
«…ar Schweizerische Bundesverfassung (BV), Basel 2015, N 40 und 48 zu Art. 29 BV; Urteil des Bundesgerichts 4A_86/2018 vom 6. August 2018 E. 2.2 mit Hinweisen). Das Gericht kann das Replikrecht auf verschiedene Weise gewähren. Zur…»
2018.12.11.zr.2 (2018-12-11) · bl
Municipality's Footway Easements Upheld Against Property Owner's Challenge
«…zustellen (BGE 142 I 48 E. 4.1.1 = Pra 2017 Nr. 4; BGE 139 I 189 E. 3.2 = Pra 2013 Nr. 112; BGE 138 I 484 E. 2.2; BGer 4A_86/2018 vom 6. Au- gust 2018 E. 2.2). Das Recht auf Replik verpflichtet das Gericht nicht zur Festsetzung einer Frist an die Pa…»
RE220004 · zh
Marital Protection Proceedings: Rejection of Legal Aid Due to Failure to Substantiate Indigence
«…angefochtenen Entscheids (BGE 137 I 195 E. 2.2 S. 197; BGE 142 II 218 E. 2.8.1 S. 226; BGE 144 I 11 E. 5.3 S. 17; BGer 4A_86/2018 vom 6. August 2018, E. 2.3; CHK-Sutter-Somm/Seiler, ZPO 53 N 14), sofern eine Heilung im Rechtsmittelverfahren ausser B…»

Volltext

Bundesgericht

Tribunal fédéral

Tribunale federale

Tribunal federal

4A_86/2018

Urteil vom 6. August 2018

I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung

Bundesrichterin Kiss, Präsidentin,

Bundesrichterinnen Hohl, May Canellas,

Gerichtsschreiber Kölz.

Verfahrensbeteiligte

A.________,

vertreten durch Rechtsanwältin Sarah Brutschin,

Beschwerdeführer,

gegen

B.________ AG,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Thomas Gelzer,

Beschwerdegegnerin.

Gegenstand

Arbeitsrecht, Replikrecht,

Beschwerde gegen den Entscheid des Appellationsgerichts Basel-Stadt, Dreiergericht,

vom 29. Dezember 2017 (ZB.2017.36).

Sachverhalt:

A. Mit Entscheid vom 15. Mai 2017 wies das Arbeitsgericht Basel-Stadt eine Klage von A.________ (Beschwerdeführer) gegen seine ehemalige Arbeitgeberin, die B.________ AG (Beschwerdegegnerin), über Fr. 30'000.-- zuzüglich Zins ab.

Gegen diesen Entscheid erhob A.________ am 9. Oktober 2017 Berufung an das Appellationsgericht Basel-Stadt, wobei er an seinem erstinstanzlichen Klagebegehren festhielt. Die B.________ AG erstattete am 15. November 2017 ihre Berufungsantwort.

A.________ ersuchte darum, ihm ein Replikrecht einzuräumen und entsprechend die Parteien zur mündlichen Verhandlung vorzuladen oder eine Frist zur Einreichung der schriftlichen Replik anzusetzen. Der Instruktionsrichter setzte ihm mit Verfügung vom 30. November 2017 Frist "bis 18. Dezember 2017" zur fakultativen Stellungnahme zur Berufungsantwort.

Mit Entscheid vom 29. Dezember 2017 wies das Appellationsgericht die Berufung ab. Der Entscheid wurde den Parteien am 8. Januar 2018 zugestellt. Am gleichen Tag ging beim Appellationsgericht eine fakultative Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 3. Januar 2018 ein.

Der Präsident des Appellationsgerichts teilte den Parteien daraufhin mit Schreiben vom 9. Januar 2018 mit, der Verfahrensleiter habe leider übersehen, dass die Frist wegen den Gerichtsferien erst am 3. Januar 2018 geendet habe. Der Entscheid könne aber nicht mehr aufgehoben, abgeändert oder ergänzt werden, obwohl die fakultative Stellungnahme von A.________ vom 3. Januar 2018 rechtzeitig eingereicht worden sei.

B. A.________ verlangt mit Beschwerde in Zivilsachen, der Entscheid des Appellationsgerichts sei aufzuheben, und die Sache sei zur Neubeurteilung der Rechtsbegehren an die Vorinstanz zurückzuweisen, unter Kostenfolge zulasten der B.________ AG.

Die B.________ AG hat auf Vernehmlassung verzichtet und darauf hingewiesen, dass es nicht "sachgerecht" wäre, wenn sie "mit irgendwelchen Kosten belastet würde".

Das Appellationsgericht äusserte sich in einer Eingabe vom 28. Februar 2018 kurz zur Angelegenheit, unter Verzicht auf einen Antrag und eine weitergehende Vernehmlassung. A.________ nahm hierzu mit Eingabe vom 20. März 2018 Stellung.

Erwägungen:

1. Der Entscheid des Appellationsgerichts ist ein Endentscheid ( Art. 90 BGG ) einer Vorinstanz im Sinne von Art. 75 BGG . Weiter übersteigt der Streitwert die nach Art. 74 Abs. 1 lit. a BGG in arbeitsrechtlichen Fällen geltende Grenze von Fr. 15'000.--. Da auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

2.

2.1. Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK , da die Vorinstanz den Entscheid getroffen habe, bevor die fristgerecht eingereichte Stellungnahme zur Berufungsantwort bei ihr eingegangen sei. Die Vorinstanz bestreitet ausdrücklich nicht, dass sie den Gehörsanspruch des Beschwerdeführers verletzt hat.

2.2. Nach Art. 29 Abs. 1 und 2 BV sowie nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK haben die Parteien eines Gerichtsverfahrens Anspruch auf rechtliches Gehör und auf ein faires Gerichtsverfahren, unter Beachtung des Grundsatzes der Waffengleichheit. Diese Garantien umfassen das Recht, von allen beim Gericht eingereichten Stellungnahmen Kenntnis zu erhalten und sich dazu äussern zu können, unabhängig davon, ob die Eingaben neue oder wesentliche Vorbringen enthalten. Es ist Sache der Parteien zu beurteilen, ob eine Entgegnung erforderlich ist oder nicht. Das Gericht hat ein effektives Replikrecht der Parteien zu gewährleisten ( BGE 139 I 189 E. 3.2 ; 138 I 484 E. 2.1 und 2.4; vgl. für das Zivilverfahren auch BGE 142 III 48 E. 4.1.1; je mit Hinweisen).

2.3. Die Vorinstanz argumentiert, in der Beschwerde werde nicht dargelegt, inwiefern die fakultative Stellungnahme vom 3. Januar 2018 für den Ausgang des Verfahrens relevant gewesen sei. Soweit sie diesen Umstand für entscheidend hält, verkennt sie, dass der Anspruch auf rechtliches Gehör formeller Natur ist ( BGE 137 I 195 E. 2.2 S. 197 mit Hinweis).

2.4. In ihrem Schreiben vom 9. Januar 2018 hat die Vorinstanz eingeräumt, dass die Eingabe des Beschwerdeführers vom 3. Januar 2018 noch rechtzeitig erfolgt ist. Davon ist auszugehen.

Da das Appellationsgericht seinen Entscheid in der Sache bereits am 29. Dezember 2017 gefällt hatte, konnte es die Eingabe des Beschwerdeführers vom 3. Januar 2018 nicht mehr berücksichtigen. Unter diesen Umständen hatte der Beschwerdeführer keine Gelegenheit, sich zur Berufungsantwort vom 15. November 2017 zu äussern. Somit ist sein Replikrecht verletzt.

Eine Heilung dieses Verfahrensmangels im bundesgerichtlichen Verfahren fällt nur schon deshalb ausser Betracht, weil das Bundesgericht den Sachverhalt nicht frei, sondern bloss unter den Voraussetzungen von Art. 97 Abs. 1 und Art. 105 Abs. 2 BGG überprüfen kann (siehe BGE 142 II 218 E. 2.8.1; 142 III 48 E. 4.3 ; 137 I 195 E. 2.3.2; je mit weiteren Hinweisen).

3. Die Beschwerde ist gutzuheissen. Der angefochtene Entscheid ist aufzuheben, und die Sache ist zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

Der Beschwerdegegnerin sind keine Gerichtskosten aufzuerlegen, da sie für den Verfahrensfehler der Vorinstanz nicht einstehen muss und sie überdies im Beschwerdeverfahren keinen Antrag gestellt hat. Der Kanton Basel-Stadt darf nicht mit Gerichtskosten belastet werden ( Art. 66 Abs. 4 BGG ). Dagegen hat er den Beschwerdeführer in Anwendung von Art. 66 Abs. 3 BGG zu entschädigen (vgl. Urteil 4A_340/2015 vom 21. Dezember 2015 E. 4, nicht publ. in: BGE 142 III 116 , mit weiteren Hinweisen).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Appellationsgerichts Basel-Stadt, Dreiergericht, vom 29. Dezember 2017 (ZB.2017.36) wird aufgehoben. Die Sache wird zu neuer Entscheidung an das Appellationsgericht Basel-Stadt zurückgewiesen.

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3. Der Kanton Basel-Stadt hat den Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 500.-- zu entschädigen.

4. Dieses Urteil wird den Parteien und dem Appellationsgericht Basel-Stadt schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 6. August 2018

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung

des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin: Kiss

Der Gerichtsschreiber: Kölz