Revision of non-entry decision for untimely filing; late postal delivery after timely handover to embassy staff.
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Swiss Federal Supreme Court granted the revision request, set aside its prior judgment of 29 June 2021 (which had dismissed five consolidated appeals as untimely), and resumed the underlying proceedings under the new case number. The prior decision had rejected the appellant’s appeals against the Cantonal High Court of Solothurn for late filing. In the revision, the appellant successfully argued that he had handed the appeals to the Swiss Embassy in Thailand on 4 June 2021, within the deadline ending 7 June 2021, although the embassy only stamped them on 9 June 2021; a corrected embassy receipt confirmed this. The Court relied on Art. 121 and Art. 123(2)(a) of the Federal Supreme Court Act (BGG), finding the appellant could not have raised the issue earlier and that the corrected evidence established timely filing. No costs were imposed, and no party compensation was awarded.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 123 Abs. 2 lit. a BGG, Art. 121 lit. c BGG, Art. 121 lit. d BGG, Art. 66 Abs. 1 BGG, Art. 121 BGG; Revision of non-entry decision for untimely filing; late postal delivery after timely handover to embassy staff: The prior decision had rejected the appellant’s appeals against the Cantonal High Court of Solothurn for late filing. In the revision, the appellant successfully argued that he had handed the appeals to the Swiss Embassy in Thailand on 4 June 2021, within the deadline ending 7 June 2021, although the embassy only stamped them on 9 June 2021; a corrected embassy receipt confirmed this. The Court relied on Art. 121 and Art. 123(2)(a) of the Federal Supreme Court Act (BGG), finding the appellant could not have raised the issue earlier and that the corrected evidence established timely filing. No costs were imposed, and no party compensation was awarded.
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KI-generiertGround for the revision request, as the court considered that the appellant's appeals had not been ruled upon due to the corrected embassy receipt.
Ground for the revision request, as the appellant subsequently discovered decisive evidence (the corrected embassy receipt) that he could not provide earlier.
Applied to waive court costs in the revision proceedings.
Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (1)
Volltext
Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal
1F_27/2021,1F_28/2021,1F_29_2021,1F_30/2021,1F_31/2021
Urteil vom 27. September 2021
I. öffentlich-rechtliche Abteilung
Besetzung
Bundesrichter Kneubühler, Präsident,
Bundesrichter Chaix, Haag,
Gerichtsschreiber Störi.
Verfahrensbeteiligte
A.________,
Gesuchsteller,
gegen
Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn, Franziskanerhof, Barfüssergasse 28, 4500 Solothurn,
Obergericht des Kantons Solothurn,
Beschwerdekammer,
Amthaus 1, Postfach 157, 4502 Solothurn.
Gegenstand
Revisionsgesuch gegen das Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts vom 29. Juni 2021 (1B_348, 349, 350, 351 und 352/2021; Verfügungen BKBES.2021.60, 61, 62, 63 und 64).
Sachverhalt:
A. Das Bundesgericht hat im Entscheid 1B_348, 349, 350, 351 und 352/2021 vom 29. Juni 2021 fünf von A.________ gegen das Obergericht des Kantons Solothurn eingereichte Beschwerden vereinigt und ist auf sie wegen verspäteter Einreichung nicht eingetreten.
B. Mit Eingabe vom 27. Juli 2021 stellt A.________ sinngemäss ein Revisionsgesuch mit dem Antrag, diesen Entscheid aufzuheben und die Verfahren 1B_348, 349, 350, 351 und 352/2021 wieder aufzunehmen.
C. Vernehmlassungen wurden keine eingeholt.
Erwägungen:
1. Die fünf Beschwerdeverfahren, deren Wiederaufnahme der Gesuchsteller mit seinem Revisionsgesuch erreichen will, wurden im Urteil 1B_348, 349, 350, 351 und 352/2021 vom 29. Juni 2021 vereinigt. Es rechtfertigt sich dementsprechend, auch die Revisionsverfahren 1F_27, 28, 29, 30 und 31/2021 zu vereinigen.
2. Die Revision eines Bundesgerichtsurteils kann verlangt werden, wenn die ersuchende Partei nachträglich erhebliche Tatsachen erfährt oder entscheidende Beweismittel auffindet, die sie im früheren Verfahren nicht beibringen konnte, unter Ausschluss der Tatsachen und Beweismittel, die erst nach dem Entscheid entstanden sind ( Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG ). Die Revision kann u.a. auch verlangt werden, wenn das Bundesgericht einzelne Anträge unbeurteilt liess ( Art. 121 lit. c BGG ) oder in den Akten liegende erhebliche Tatsachen aus Versehen nicht berücksichtigte ( Art. 121 lit. d BGG ).
Der Beschwerdeführer macht geltend, seine Beschwerden am 4. Juni 2021 und damit fristgerecht der Schweizerischen Botschaft in Thailand übergeben zu haben, und nicht erst am 9. Juni 2021, wie es die Botschaft in ihrer Bestätigung ausgewiesen habe. Da das Bundesgericht im angefochtenen Entscheid im Vertrauen auf die Korrektheit der Angaben der Botschaft auf die Beschwerde ohne Weiterungen nicht eingetreten ist, konnte sich der Beschwerdeführer dazu nicht äussern. Er darf daher im Revisionsverfahren geltend machen, die im Verfahren 1B_348/2021 vereinigten fünf Beschwerden fristgerecht eingereicht zu haben.
3. Aus der korrigierten Empfangsbestätigung der Botschaft ergibt sich, dass der Gesuchsteller den Umschlag mit den Beschwerden am 4. Juni 2021 nach Büroschluss dem Wachpersonal der Botschaft übergeben hat, der Brief anschliessend aber erst am 9. Juni 2021 geöffnet und abgestempelt wurde. Damit ist davon auszugehen, dass der Gesuchsteller seine Beschwerden innerhalb der bis zum 7. Juni 2021 offenen Beschwerdefristen abgegeben hat.
4. Das Revisionsgesuch ist daher gutzuheissen, das Urteil 1B_348/2021 aufzuheben und dieses (bzw. alle fünf unter dieser Verfahrensnummer vereinigten) Verfahren wiederaufzunehmen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind keine Kosten zu erheben ( Art. 66 Abs. 1 BGG ). Einen Anspruch auf eine Parteientschädigung hat der nicht anwaltlich vertretene Gesuchsteller dagegen praxisgemäss nicht.
Demnach erkennt das Bundesgericht:
1. Die Revisionsverfahren 1F_27, 28, 29, 30 und 31/2021 werden vereinigt.
2. Das Revisionsgesuch wird gutgeheissen und das Urteil des Bundesgerichts 1B_348/2021 vom 29. Juni 2021 aufgehoben. Dieses Verfahren wird unter der neuen Nummer 1B_520/2021 wiederaufgenommen und weitergeführt.
3. Es werden keine Kosten erhoben.
4. Dieses Urteil wird dem Gesuchsteller, der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn und dem Obergericht des Kantons Solothurn, Beschwerdekammer, schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 27. September 2021
Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Kneubühler
Der Gerichtsschreiber: Störi