Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
1C_230/2013 KI-generiert

Building permit mootness from withdrawal of application; cost allocation under causation principle after standing basis altered by later constitutional ruling.

Geschäftsnummer 1C_230/2013
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Entscheiddatum
Ausgang struck_off
Kostenauflage zulasten Vorinstanz / Staat

Legislator-Zusammenfassung

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The Swiss Federal Supreme Court declared the appeal moot and struck it from the record, holding that the building permit and the prior cantonal judgment became void when the builder withdrew its construction application. The Court ordered the builder to bear the appellate court costs (CHF 1,033) and reduced federal court costs (CHF 300), awarded no party costs, and remanded the matter to the municipality solely to decide the costs of the now-concluded local permit and objection proceedings. The dispute arose from a municipal building and demolition permit granted over objections by an environmental association, which had appealed to the cantonal administrative court; that court had refused to hear the appeal on standing grounds. The decisive legal basis was the withdrawal of the application rendering the case moot under Article 32(2) BGG, with cost-shifting under Articles 66 and 68 BGG according to the causation principle, and the Court also noted that its recent rulings on the association’s standing and the direct applicability of Articles 75b and 197(9) of the Federal Constitution had materially altered the legal foundation of the prior decisions.

Legislator-Regeste

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Art. 32 Abs. 2 BGG, Art. 72 BZP, Art. 71 BGG, Art. 66 Abs. 2 BGG, Art. 68 Abs. 4 BGG, Art. 66 Abs. 1 und 3 BGG; Building permit mootness from withdrawal of application; cost allocation under causation principle after standing basis altered by later constitutional ruling: The Court ordered the builder to bear the appellate court costs (CHF 1,033) and reduced federal court costs (CHF 300), awarded no party costs, and remanded the matter to the municipality solely to decide the costs of the now-concluded local permit and objection proceedings. The dispute arose from a municipal building and demolition permit granted over objections by an environmental association, which had appealed to the cantonal administrative court; that court had refused to hear the appeal on standing grounds. The decisive legal basis was the withdrawal of the application rendering the case moot under Article 32(2) BGG, with cost-shifting under Articles 66 and 68 BGG according to the causation principle, and the Court also noted that its recent rulings on the association’s standing and the direct applicability of Articles 75b and 197(9) of the Federal Constitution had materially altered the legal foundation of the prior decisions.

Schlagwörter

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Baueinsprache kommunale Baubewilligung Verwaltungskosten Legitimation gegen Baubewilligung Planungskosten Verstrickungsbruch Baubusse

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 32 Abs. 2 BGG

Basis for declaring the appeal moot and striking it from the record due to withdrawal of the building application.

Art. 66 Abs. 1 und 3 BGG

Imposed the court costs on the party that caused the proceedings (the builder) for both the cantonal and federal levels.

Art. 66 Abs. 2 BGG

Justified reducing the federal court fee to CHF 300 due to the early withdrawal of the building application.

Art. 68 Abs. 4 BGG

Denied any party costs to the municipality acting in its official capacity.

Art. 71 BGG

Applied the Federal Act on Civil Procedure (BZP) provisions, specifically Article 72 BZP, for summary cost decisions in moot cases.

Art. 72 BZP

Provided the basis for deciding on procedural costs with summary reasoning after the case became moot.

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Volltext

Bundesgericht

Tribunal fédéral

Tribunale federale

Tribunal federal

{T 0/2}

1C_230/2013

Urteil vom 10. September 2013

I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung

Bundesrichter Fonjallaz, Präsident,

Bundesrichter Aemisegger, Merkli,

Gerichtsschreiber Bopp.

Verfahrensbeteiligte

Helvetia Nostra ,

Beschwerdeführerin,

gegen

X.________ AG,

Beschwerdegegnerin,

vertreten durch Rechtsanwalt Hermann Just,

Gemeinde Vaz/Obervaz .

Gegenstand

Baueinsprache,

Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden, 5. Kammer,

vom 31. Januar 2013.

Erwägungen:

1. Die Helvetia Nostra und Mitbeteiligte erhoben gegen ein von der X.________ AG am 27. Juli 2012 eingereichtes Bau- und Abbruchgesuch Einsprache. Die Gemeinde Vaz/Obervaz erteilte am 22. November 2012 die nachgesuchte Bewilligung unter Bedingungen und Auflagen, wobei sie der Bauherrschaft Baupolizeigebühren in der Höhe von Fr. 3'444.-- übertrug. Gleichzeitig trat sie auf die Einsprachen nicht ein und auferlegte die diesbezüglichen Verfahrenskosten den Einsprechern.

Hiergegen wandte sich die Helvetia Nostra mit einer Beschwerde ans Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Dieses trat mit Urteil vom 31. Januar 2013 auf die Beschwerde nicht ein und auferlegte die auf Fr. 1'033.-- bestimmten Gerichtskosten der Beschwerdeführerin.

Gemäss Schreiben vom 15. August 2013 verzichtet die Bauherrschaft auf die ihr erteilte Bewilligung.

2.

2.1. Durch den Rückzug des Baugesuchs ist die vorliegende Beschwerde gegenstandslos geworden. Sie ist daher als erledigt abzuschreiben ( Art. 32 Abs. 2 BGG ), wobei mit summarischer Begründung über die Prozesskosten zu entscheiden ist ( Art. 72 BZP in Verbindung mit Art. 71 BGG ).

Die Beschwerdegegnerin hält gemäss Schreiben vom 15. August 2013 dafür, es seien keine Verfahrenskosten zu erheben bzw. keine Parteientschädigungen zuzusprechen.

2.2. Die Verfahrenskosten werden derjenigen Partei auferlegt, die sie verursacht hat ( Art. 66 Abs. 1 und 3 BGG ). Demgemäss rechtfertigt es sich, der Beschwerdegegnerin die Kosten der durch den Baugesuchsrückzug gegenstandslos gewordenen Rechtsmittelverfahren aufzuerlegen. Aufgrund des Rückzugs des Baugesuchs in einem frühen Stadium des bundesgerichtlichen Verfahrens sind die diesbezüglichen Kosten auf eine reduzierte Gerichtsgebühr von Fr. 300.-- festzusetzen ( Art. 66 Abs. 2 BGG analog).

Mit Blick auf das soeben Gesagte, den Baugesuchsrückzug und das Verursacherprinzip, steht der Beschwerdegegnerin, auch wenn anwaltlich vertreten, keine Parteientschädigung zu.

Die Beschwerdeführerin ihrerseits ist nicht anwaltlich vertreten und hat daher praxisgemäss ebenfalls keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.

Ebenso steht der in ihrem amtlichen Wirkungskreis tätigen Gemeinde keine Parteientschädigung zu ( Art. 68 Abs. 4 BGG ; s. dazu BGE 134 II 117 ).

3. Wie ausgeführt, ist das vorliegende Verfahren mit dem Baugesuchsrückzug gegenstandslos geworden.

Durch die am 22. Mai 2013 ergangenen Urteile des Bundesgerichts betreffend Beschwerdebefugnis der Helvetia Nostra und unmittelbare Anwendbarkeit der Art. 75b und 197 Ziff. 9 BV (Verfahren 1C_614/2012, 1C_646/2012 und 1C_649+650/2012; s. Webseite www.bger.ch / "Rechtsprechung (gratis) " / "Weitere Urteile ab 2000", mit Eingabe der entsprechenden Verfahrensnummer ins Suchfeld) ist die Basis des dem bundesgerichtlichen Verfahren zugrunde liegenden verwaltungsgerichtlichen Urteils vom 31. Januar 2013 und des ursprünglichen kommunalen Entscheids vom 22. November 2012 massgebend verändert worden, was selbstredend Auswirkungen auf deren Kostenregelungen zur Folge hat.

Hinsichtlich des dem bundesgerichtlichen Verfahren zugrunde liegenden verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahrens ist es angezeigt, dass das Bundesgericht die diesbezügliche Kostenregelung wie schon in früheren Fällen sogleich selber neu trifft. Nachdem die Beschwerdegegnerin ihr Gesuch zurückgezogen hat, rechtfertigt es sich, ihr die verwaltungsgerichtlichen Kosten, gemäss Urteil vom 22. Januar 2013 ausmachend Fr. 1'033.--, aus denselben Gründen wie die bundesgerichtlichen Kosten aufzuerlegen. Sodann steht der Beschwerdeführerin auch für das kantonale Verfahren keine Parteientschädigung zu, da sie auch damals nicht anwaltlich vertreten war.

Auf welche Weise die Gemeinde Vaz/Obervaz den nunmehrigen Abschluss des kommunalen Baubewilligungs- und Einspracheverfahrens im Kostenpunkt gemäss ihren Verfahrenstarifen zu regeln haben wird, lässt sich hier nicht abschätzen. Die Sache geht daher insoweit zurück an die Gemeinde.

Demnach wird erkannt:

1. Die Beschwerde im Verfahren 1C_230/2013 wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben.

Es wird festgestellt, dass der am 22. November 2012 ergangene kommunale Baubewilligungs- und Einspracheentscheid sowie das verwaltungsgerichtliche Urteil vom 31. Januar 2013 gegenstandslos geworden sind. Die Sache geht zurück an die Gemeinde Vaz/Obervaz zur Prüfung der Kostenfrage hinsichtlich des nunmehrigen Abschlusses des kommunalen Verfahrens.

2. Der Beschwerdegegnerin X.________ AG werden die auf Fr. 1'033.-- festgesetzten verwaltungsgerichtlichen Kosten und die bundesgerichtlichen Kosten von Fr. 300.-- auferlegt.

3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

4. Dieses Urteil wird den Parteien, der Gemeinde Vaz/Obervaz und dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden, 5. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 10. September 2013

Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung

des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Fonjallaz

Der Gerichtsschreiber: Bopp