Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
1B_677/2011 KI-generiert

Complainant v. Cantonal Chamber of Indictment

Geschäftsnummer 1B_677/2011
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

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In this case, an individual filed a criminal complaint against another person for insult and threats on March 7, 2011. However, the complainant did not attend a scheduled meeting set by the public prosecutor for a resolution. Consequently, the public prosecutor's office decided to terminate the criminal proceedings on June 29, 2011. The complainant subsequently attempted to appeal this decision on July 25, 2011, but the appellate court dismissed the appeal as it was filed late. The complainant then challenged this dismissal, arguing that it violated principles of good faith and other legal provisions. The court reviewed the timelines and procedural requirements related to the handling of official notifications and ultimately found the complaint to be without merit.

Legislator-Regeste

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Art. 9 BV, Art. 396 Abs. 1 StPO, Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO, Art. 90 Abs. 2 StPO, Art. 42 Abs. 2 BGG, Art. 66 Abs. 1 BGG; Complainant v. Cantonal Chamber of Indictment: However, the complainant did not attend a scheduled meeting set by the public prosecutor for a resolution. Consequently, the public prosecutor's office decided to terminate the criminal proceedings on June 29, 2011. The complainant subsequently attempted to appeal this decision on July 25, 2011, but the appellate court dismissed the appeal as it was filed late. The complainant then challenged this dismissal, arguing that it violated principles of good faith and other legal provisions. The court reviewed the timelines and procedural requirements related to the handling of official notifications and ultimately found the complaint to be without merit.

Schlagwörter

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Strafverfahren Nichtanhandnahme Strafanzeige Anklage Beleidigung Einstellung des Verfahrens Ehrverletzungsverfahren Rüge verfassungsmässiger Rechte

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 66 Abs. 1 BGG

Cited in the final order to rule on the non-imposition of court costs.

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (7)

UH130162 (2013-08-26) · zh
Failure to Appear After Objection to Permit Violation Fine
«…ihnen behördliche Sendungen zugestellt werden können (Urteile des Bundesgerichts vom 14. Dezember 2011, 1B_675/2011 und 1B_677/2011, je E. 3.1 m.H. auf BGE 130 III 396 E. 1.2.3; vgl. Entscheide der hiesigen Kammer: Geschäfts-Nr. UH110334, Verfügung vo…»
UH130133 (2013-06-21) · zh
Municipal Waste Fine Appeal: Proper Service of Notice and Inexcusable Absence
«…ängere Ortsabwesenheiten der Behörde mitteilen oder einen Stellvertreter ernennen (Arquint, a.a.O., Art. 85 N 9; Urteil 1B_677/2011 vom 14.12.2011 Erw. 3.1; BGE 130 III 396 Erw. 1.2.3; BGE 119 V 89 Erw. 4b/aa). Als Zeitraum, während welchem die Zustel…»
BG.2012.47 (2013-01-29)
Winterthur Prosecutor's Office Jurisdiction Upheld
«…Nachsendung seiner an die bisherige Adresse gelangenden Korrespondenz zu sorgen. (Urteil des Bundesgerichts 1B_677/2011 vom 14. Dezember 2011 E. 3.1 mit Verweis auf BGE 119 V 89 E. 4b/aa S. 94). Die Beschwerdefrist wäre demnach am si…»
UH110316 (2012-01-16) · zh
Traffic Violation Penalty Presumption of Service Inapplicable Without Prior Procedural Relationship
«…ssig kontrolliert und allenfalls längere Ortsabwesenheiten der Behörde mitteilt oder einen Stellvertreter ernennt (BGer 1B_677/2011 vom 14. Dezember 2011, BGE 130 III 396 E. 1.2.3, 119 V 89 E. 4b/aa, 116 Ia 90 E. 2a, 115 Ia 12 E. 3a). Als Zeitraum, wä…»
UH110316 · zh
Zurich High Court Overturns Rejection of Timely Objection to Summary Penalty Order Due to Invalid Service of Initial Notice
«…ssig kontrolliert und allenfalls längere Ortsabwesenheiten der Behörde mitteilt oder einen Stellvertreter ernennt (BGer 1B_677/2011 vom 14. Dezember 2011, BGE 130 III 396 E. 1.2.3, 119 V 89 E. 4b/aa, 116 Ia 90 E. 2a, 115 Ia 12 E. 3a). Als Zeitraum, wä…»
UH130133 · zh
Zurich Higher Court Upholds Fine After Defendant's Failure to Collect Summons
«…ängere Ortsabwesenheiten der Behörde mitteilen oder einen Stellvertreter ernennen (Arquint, a.a.O., Art. 85 N 9; Urteil 1B_677/2011 vom 14.12.2011 Erw. 3.1; BGE 130 III 396 Erw. 1.2.3; BGE 119 V 89 Erw. 4b/aa). Als Zeitraum, während welchem die Zustel…»
UH130162 · zh
Defendant's Failure to Collect Summons Leads to Withdrawal of Objection to Noise Violation Fine
«…ihnen behördliche Sendungen zugestellt werden können (Urteile des Bundesgerichts vom 14. Dezember 2011, 1B_675/2011 und 1B_677/2011, je E. 3.1 m.H. auf BGE 130 III 396 E. 1.2.3; vgl. Entscheide der hiesigen Kammer: Geschäfts-Nr. UH110334, Verfügung vo…»

Volltext

Bundesgericht

Tribunal fédéral

Tribunale federale

Tribunal federal

{T 0/2}

1B_677/2011

Urteil vom 14. Dezember 2011

I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung

Bundesrichter Fonjallaz, Präsident,

Bundesrichter Raselli, Merkli,

Gerichtsschreiber Pfäffli.

Verfahrensbeteiligte

X.________, Beschwerdeführer,

gegen

Kantonales Untersuchungsamt, Wirtschaftsdelikte, Klosterhof 8a, 9001 St. Gallen.

Gegenstand

Strafverfahren; Nichtanhandnahme,

Beschwerde gegen den Entscheid vom 9. November 2011 der Anklagekammer des Kantons St. Gallen.

Erwägungen:

1. X.________ erhob am 7. März 2011 Strafantrag gegen Y.________ und machte geltend, dieser habe ihn beschimpft und bedroht. An der von der Staatsanwaltschaft anberaumten Vergleichsverhandlung mit dem Beschuldigten blieb X.________ fern. Das Untersuchungsamt St. Gallen stellte mit Verfügung vom 29. Juni 2011 das Strafverfahren gegen den Beschuldigten ein. Gegen die Einstellungsverfügung erhob X.________ am 25. Juli 2011 Beschwerde, auf welche die Anklagekammer des Kantons St. Gallen wegen verspäteter Beschwerdeeinreichung nicht eintrat.

2. X.________ führt mit Eingabe vom 27. November 2011 Beschwerde in Strafsachen gegen den Entscheid der Anklagekammer des Kantons St. Gallen. Das Bundesgericht verzichtet auf die Einholung von Vernehmlassungen.

3. Der Beschwerdeführer macht geltend, der Nichteintretensentscheid verstosse gegen den Grundsatz von Treu und Glauben ( Art. 9 BV ) sowie auch gegen Art. 10, 24 und 30 BV .

3.1 Gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde innert 10 Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen. Nach Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO gilt eine Zustellung bei einer eingeschriebenen Postsendung, die nicht abgeholt worden ist, am siebten Tag nach dem erfolglosen Zustellungsversuch als erfolgt, sofern die Person mit einer Zustellung rechnen musste. Die Begründung eines Verfahrensverhältnisses verpflichtet die Parteien, sich nach Treu und Glauben zu verhalten, d.h. unter anderem dafür zu sorgen, dass ihnen Entscheidungen, welche das Verfahren betreffen, zugestellt werden können ( BGE 130 III 396 E. 1.2.3 S. 399). Von einem Verfahrensbeteiligten ist zu verlangen, dass er für die Nachsendung seiner an die bisherige Adresse gelangenden Korrespondenz besorgt ist, allenfalls längere Ortsabwesenheiten der Behörde mitteilt oder einen Stellvertreter ernennt ( BGE 119 V 89 E. 4b/aa S. 94).

3.2 Der Beschwerdeführer musste angesichts seiner Strafantragstellung am 7. März 2011 mit der Zustellung eines behördlichen Schriftstückes rechnen. Daran ändert nichts, dass die Zustellung der Einstellungsverfügung dreieinhalb Monate nach der Stellung des Strafantrages erfolgte, da dies - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers - keinesfalls eine lange Verfahrensdauer darstellt.

Mithin galt die nach den unbestrittenen Feststellungen im angefochtenen Entscheid am 30. Juni 2011 zur Abholung gemeldete Einstellungsverfügung sieben Tage später, d.h. am 7. Juli 2011 als zugestellt. Die zehntägige Rechtsmittelfrist lief somit am 18. Juli 2011 ab (vgl. Art. 90 Abs. 2 StPO ) und die Beschwerdekammer trat auf die am 25. Juli 2011 erhobene Beschwerde nicht ein. Die Rügen, die der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, erweisen sich, soweit sie den Begründungsanforderungen von Art. 42 Abs. 2 BGG zu genügen vermögen, als offensichtlich unbegründet.

4. Demnach ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Auf eine Kostenauflage kann verzichtet werden ( Art. 66 Abs. 1 BGG ). Damit ist das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gegenstandslos geworden.

Demnach erkennt der Präsident:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

3. Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem Kantonalen Untersuchungsamt und der Anklagekammer des Kantons St. Gallen schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 14. Dezember 2011

Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung

des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Fonjallaz

Der Gerichtsschreiber: Pfäffli