Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
1B_260/2019 KI-generiert

Federal Supreme Court Rules on Unsealing of Encrypted Files Without Demonstrated Secrecy Interest

Geschäftsnummer 1B_260/2019
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Bundesgericht (BGer / BGE) (CH)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)

Legislator-Zusammenfassung

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The case involves a criminal investigation by the Zurich-Sihl Public Prosecutor's Office against an individual, identified as A.________, on suspicion of an offense. During a house search on January 28, 2019, the police seized a computer, and A.________ subsequently requested the sealing of encrypted files stored on it. The next day, the prosecutor complied with this request. However, on February 15, 2019, the prosecutor sought to have the files unsealed, which the District Court of Zurich's Coercive Measures Court approved on April 26, 2019. A.________ then appealed to the Swiss Federal Tribunal, seeking to overturn this decision, arguing for the exclusion of specific files from the evidence. The Coercive Measures Court did not provide further comments, while the prosecutor opposed the appeal. The Federal Tribunal granted a provisional suspension to the appeal but eventually addressed the merits of the legal arguments presented.

Legislator-Regeste

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Art. 93 BGG, Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG, Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG, Art. 64 BGG, Art. 66 Abs. 1 Satz, Art. 66 Abs. 1 Satz 2 BGG; Federal Supreme Court Rules on Unsealing of Encrypted Files Without Demonstrated Secrecy Interest: During a house search on January 28, 2019, the police seized a computer, and A.________ subsequently requested the sealing of encrypted files stored on it. The next day, the prosecutor complied with this request. However, on February 15, 2019, the prosecutor sought to have the files unsealed, which the District Court of Zurich's Coercive Measures Court approved on April 26, 2019. A.________ then appealed to the Swiss Federal Tribunal, seeking to overturn this decision, arguing for the exclusion of specific files from the evidence. The Coercive Measures Court did not provide further comments, while the prosecutor opposed the appeal. The Federal Tribunal granted a provisional suspension to the appeal but eventually addressed the merits of the legal arguments presented.

Schlagwörter

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Strafverfahren Entsiegelung Ermittlungsakten Cyber-Verbrechen rechtlich geschütztes Interesse Reihenfolge der Pfändung sexueller Missbrauch Entsiegelungsverfahren

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 64 BGG

Cited in the dispositive regarding the refusal to grant legal aid.

Art. 66 Abs. 1 Satz 2 BGG

Cited in the dispositive to waive the imposition of court costs due to the appellant's financial situation.

Art. 93 BGG

Cited in the dispositive as the reason for not entering upon the appeal (impliedly, as the appeal was deemed inadmissible under this article in the reasoning).

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Spätere Entscheide, die dieses Urteil zitieren (8)

7B_110/2022 (2024-03-11)
Federal Supreme Court Refuses Appeal Against Mobile Phone Search Seizure in Gaming Law Case
«…ndesgerichts berechtigen (vgl. Urteile 7B_552/2023 vom 31. Oktober 2023 E. 1.5; 1B_465/2022 vom 28. Juni 2023 E. 1.3.3; 1B_260/2019 vom 17. Oktober 2019 E. 1.3; je mit Hinweisen). Selbst wenn man auf die Darlegungen des Beschwerdeführers vor der Vorin…»
7B_111/2022 (2024-03-11)
Federal Gaming Board v. Federal Supreme Court: Appealability of Seized Digital Evidence Unsealing
«…ndesgerichts berechtigen (vgl. Urteile 7B_552/2023 vom 31. Oktober 2023 E. 1.5; 1B_465/2022 vom 28. Juni 2023 E. 1.3.3; 1B_260/2019 vom 17. Oktober 2019 E. 1.3; je mit Hinweisen). Selbst wenn man auf die Darlegungen des Beschwerdeführers vor der Vorin…»
1B_465/2022 (2023-06-28)
Federal Supreme Court Upholds Unsealing of Embezzlement Evidence
«…B_591/2022 vom 21. Dezember 2022 E. 4.2; 1B_40/2022 vom 1. Dezember 2022 E. 2.2; 1B_401/2021 vom 19. April 2022 E. 1.2; 1B_260/2019 vom 17. Oktober 2019 E. 1; je mit Hinweisen). 1.4. Zusammengefasst kann mangels der ausreichend substanziierten Anrufu…»
1B_506/2022 (2023-03-10)
Challenge to Electronic Device Seizure Unsealing Dismissed for Lack of Irreparable Harm
«…1B_40/2022 vom 1. Dezember 2022 E. 2.1; 1B_401/2021 vom 19. April 2022 E. 1.2; 1B_662/2020 vom 20. Oktober 2021 E. 1.3; 1B_260/2019 vom 17. Oktober 2019 E. 1; 1B_273/2015 vom 21. Januar 2016 E. 1.3; je mit Hinweisen). 1.3. 1.3.1. Der Beschwerdeführer…»
1B_591/2022 (2022-12-21)
Federal Supreme Court Dismisses Appeal Against Partial Unsealing of Seized Documents in Fraud Case
«…1B_40/2022 vom 1. Dezember 2022 E. 2.1; 1B_401/2021 vom 19. April 2022 E. 1.2; 1B_662/2020 vom 20. Oktober 2021 E. 1.3; 1B_260/2019 vom 17. Oktober 2019 E. 1; 1B_273/2015 vom 21. Januar 2016 E. 1.3). 4.2. Der Beschwerdeführer bringt in diesem Zusamme…»
1B_40/2022 (2022-12-01)
Suspect's Appeal Against Partial Unsealing of Mobile Phone Data Inadmissible
«…wieder gutzumachenden Nachteil (Urteile 1B_401/2021 vom 19. April 2022 E. 1.2; 1B_662/2020 vom 20. Oktober 2021 E. 1.3; 1B_260/2019 vom 17. Oktober 2019 E. 1; 1B_273/2015 vom 21. Januar 2016 E. 1.3). 2.2. Der Beschwerdeführer bringt vor Bundesgericht…»
1B_465/2021 (2021-10-11)
Federal Supreme Court Declines Appeal on Unsealing of Seized Documents in Financial Crimes Investigation
«…end, fehlt es dagegen regelmässig am nicht wieder gutzumachenden Nachteil (Urteile 1B_378/2020 vom 26. Mai 2021 E. 1.2; 1B_260/2019 vom 17. Oktober 2019 E. 1.2; 1B_196/2018 vom 26. November 2018 E. 1.3; je mit Hinweisen). 1.3. Im Zusammenhang mit dem…»
1B_481/2020 (2021-06-07)
Suspect's Appeal Against Full Unsealing of Seized Electronic Devices Dismissed by Federal Supreme Court
«…ührer ein rechtlich geschütztes Geheimnisinteresse ausreichend substanziiert anruft (vgl. BGE 143 IV 462 E. 1; Urteil 1B_260/2019 vom 17. Oktober 2019 E. 1.2 mit Hinweisen). Letzteres tut er nach Ansicht der Vorinstanz nicht. Dass es sich klar ander…»

Volltext

Bundesgericht

Tribunal fédéral

Tribunale federale

Tribunal federal

1B_260/2019

Urteil vom 17. Oktober 2019

I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung

Bundesrichter Chaix, Präsident,

Bundesrichter Kneubühler, Muschietti,

Gerichtsschreiber Härri.

Verfahrensbeteiligte

A.________,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt Nicolas von Wartburg,

gegen

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,

Stauffacherstrasse 55, Postfach, 8036 Zürich.

Gegenstand

Strafverfahren; Entsiegelung,

Beschwerde gegen das Urteil des Bezirksgerichts Zürich,

Zwangsmassnahmengericht, vom 26. April 2019

(GM190009-L).

Sachverhalt:

A. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl führt eine Strafuntersuchung gegen A.________ wegen des Verdachts der Schändung.

Am 28. Januar 2019 nahm die Polizei an seinem Wohnort eine Hausdurchsuchung vor. Dabei stellte sie unter anderem einen Computer sicher.

Am 29. Januar 2019 verlangte A.________ die Siegelung der darin gespeicherten und verschlüsselten RAR-Dateien. Dem kam die Staatsanwaltschaft nach.

Am 15. Februar 2019 beantragte die Staatsanwaltschaft dem Zwangsmassnahmengericht des Bezirksgerichts Zürich die Entsiegelung.

Am 26. April 2019 hiess das Zwangsmassnahmengericht das Entsiegelungsgesuch gut.

B. A.________ führt Beschwerde in Strafsachen mit dem Antrag, den Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts aufzuheben. Die sich auf dem Computer befindlichen und vor dem 21. Oktober 2018 gespeicherten RAR-Dateien seien auszusondern und aus den Akten zu entfernen.

C. Das Zwangsmassnahmengericht hat auf Gegenbemerkungen verzichtet. Die Staatsanwaltschaft hat sich vernehmen lassen mit dem Antrag, die Beschwerde abzuweisen.

D. Das Bundesgericht hat der Beschwerde superprovisorisch aufschiebende Wirkung zuerkannt.

Erwägungen:

1.

1.1. Der angefochtene Entscheid schliesst das Strafverfahren nicht ab. Es handelt sich um einen Zwischenentscheid. Dieser betrifft weder die Zuständigkeit noch den Ausstand. Er stellt einen anderen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 93 BGG dar. Dagegen ist gemäss Absatz 1 dieser Bestimmung die Beschwerde zulässig, wenn der Zwischenentscheid einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann (lit. a), oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (lit. b).

1.2. Die Variante nach Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG fällt hier ausser Betracht.

Beim nicht wieder gutzumachenden Nachteil gemäss Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG muss es sich im Strafrecht um einen solchen rechtlicher Natur handeln. Ein derartiger Nachteil liegt vor, wenn er auch durch einen für den Beschwerdeführer günstigen späteren Entscheid nicht mehr behoben werden kann ( BGE 144 IV 127 E. 1.3.1 S. 130). Ein lediglich tatsächlicher Nachteil wie die Verlängerung oder Verteuerung des Verfahrens genügt nicht ( BGE 144 III 475 E. 1.2 S. 479 mit Hinweisen).

Nach der Rechtsprechung ist bei einer Entsiegelung ein nicht wieder gutzumachender Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG dann anzunehmen, wenn der Beschwerdeführer ein rechtlich geschütztes Geheimnisinteresse ausreichend substanziiert anruft (vgl. BGE 143 IV 462 E. 1 S. 465; Urteil 1B_394/2017 vom 17. Januar 2018 E. 1, nicht publ. in BGE 144 IV 74 ). Tut er das nicht, sondern macht er andere Beschlagnahmehindernisse geltend, fehlt es dagegen regelmässig am nicht wieder gutzumachenden Nachteil (Urteile 1B_427/ 2018 vom 11. Februar 2019 E. 1.2; 1B_196/2018 vom 26. November 2018 E. 1.3; je mit Hinweisen).

1.3. Der Beschwerdeführer macht vor Bundesgericht ausschliesslich geltend, die Entsiegelung sei mangels hinreichenden Tatverdachts und eines Deliktskonnexes der sichergestellten Dateien unzulässig. Zu einem rechtlich geschützten Geheimnisinteresse äussert er sich nicht. Selbst wenn man insoweit auf seine Darlegungen vor Vorinstanz abstellen wollte, würde ihm das nicht helfen. Die Vorinstanz hat seine Vorbringen zum geltend gemachten Geheimnisinteresse als unzureichend substanziiert beurteilt (angefochtener Entscheid E. 5.4 S. 11). Dagegen wendet der Beschwerdeführer nichts ein. Er bestreitet somit die ungenügende Substanziierung selber nicht.

Ruft der Beschwerdeführer demnach kein rechtlich geschütztes Geheimnisinteresse ausreichend substanziiert an, sondern macht er andere Beschlagnahmehindernisse geltend, kann nach der dargelegten Rechtsprechung kein nicht wieder gutzumachender Nachteil gemäss Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG angenommen werden.

Auf die Beschwerde ist daher nicht einzutreten.

2. Da die Beschwerde aussichtslos war, kann die unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung nach Art. 64 BGG nicht bewilligt werden. In Anbetracht der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers - er lebt von der Sozialhilfe - rechtfertigt es sich jedoch, auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten ( Art. 66 Abs. 1 Satz 2 BGG ).

Mit dem vorliegenden Entscheid braucht über das Gesuch um aufschiebende Wirkung nicht mehr befunden zu werden.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird abgewiesen.

3. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

4. Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl und dem Bezirksgericht Zürich, Zwangsmassnahmengericht, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 17. Oktober 2019

Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung

des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Chaix

Der Gerichtsschreiber: Härri