Appeal Regarding Cost Allocation for Child Protection Expert Evaluation
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe reviewing court addressed an appeal against a lower authority's decision which had ordered several outpatient child protection measures for a minor and simultaneously required the mother, as the "affected person," to bear the cost of a forensic expert evaluation conducted to assess the child's situation, amounting to over CHF 11,000. The court reasoned that expert opinions ordered to clarify potential child protection measures under the relevant civil code provisions (Art. 307 ff. ZGB), regardless of whether the measures ordered were outpatient directives or potential institutional placements, are specifically excluded from the cost-shifting provision of Art. 63 para. 4 of the Child and Adult Protection Act; consequently, the costs for such expert reports cannot be imposed upon the affected person, leading to the reversal of the cost allocation order.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 63 Abs. 4 KESG, Art. 63 Abs. 1 KESG, Art. 328 Abs. 1 ZGB, Art. 63 Abs. 3 KESG, Art. 63 Abs. 3 Bst, Art. 310 ZGB; Appeal Regarding Cost Allocation for Child Protection Expert Evaluation: The court reasoned that expert opinions ordered to clarify potential child protection measures under the relevant civil code provisions (Art. 307 ff. ZGB), regardless of whether the measures ordered were outpatient directives or potential institutional placements, are specifically excluded from the cost-shifting provision of Art. 63 para. 4 of the Child and Adult Protection Act; consequently, the costs for such expert reports cannot be imposed upon the affected person, leading to the reversal of the cost allocation order.
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KI-generiertThe court used this provision, by way of its contravention (e contrario), as the main ground to rule that the costs of the expert opinion could not be imposed on the affected person when assessing child protection measures under Art. 307 ff. ZGB.
This provision, together with Art. 63 Abs. 4 KESG, established the full cost exemption that supported the decision to overturn the lower court's order regarding the expert fees.
The court referenced these articles regarding child protection measures, which were the subject of the assessment leading to the contested expert report costs.
Mentioned in passing to support the conclusion that child protection measure costs cannot be imposed via an order, but must be claimed through an action as part of the child's maintenance claim.
Volltext
Obergericht Cour suprême des Kantons Bern du canton de Berne
Kindesund Erwachsenen- Tribunal de la protection schutzgericht de l'enfant et de l'adulte
Hochschulstrasse 17 Postfach Entscheid 3001 Bern KES 16 809 Telefon +41 31 635 48 06 Fax +41 31 635 48 14 Obergericht-Zivil.Bern@justice.be.ch www.justice.be.ch/obergericht Bern, 26. Januar 2017
Besetzung Oberrichter D. Bähler (Referent), Oberrichterin Grütter und Oberrichter Kiener Gerichtsschreiberin Weingart
Verfahrensbeteiligte A.________ vertreten durch Fürsprecherin B.________ Beschwerdeführerin
gegen
Kindesund Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Oberland Ost, Schloss 9, 3800 Interlaken Vorinstanz
Gegenstand Anpassung von Kindesschutzmassnahmen Kostentragung für Fachbegutachtung durch die betroffene Person gemäss Art. 63 Abs. 4 KESG
Beschwerde gegen den Entscheid der Kindesund Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Oberland Ost vom 18. Oktober 2016
Regeste: Dient ein Fachgutachten der Abklärung von Kindesschutzmassnahmen nach Art. 307 ff. ZGB, können die Kosten nicht auf die betroffene Person überwälzt werden (E. 19). Redaktionelle Vorbemerkungen: Die Vorinstanz ordnete für den minderjährigen Sohn der Beschwerdeführerin mehrere ambulante Massnahmen an (Besuch der Tagesschule, sozialpädagogische Begleitung sowie Durchführung einer forensischen Psychotherapie). Gleichzeitig verurteilte sie die Beschwerdeführerin, als «betroffene Person» die Kosten der Fachbegutachtung ihres Sohnes gemäss Art. 63 Abs. 4 KESG zu tragen.
Auszug aus den Erwägungen:
(…)
III.
(…)
19. Schliesslich ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin von der Vorinstanz zu Recht verurteilt wurde, als «betroffene Person» die Kosten der Fachbegutachtung im Totalbetrag von CHF 11‘659.20 zu tragen.
19.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, dass gemäss Art. 63 Abs. 1 KESG i.V. mit Art. 12 der Verordnung über den Kindesund Erwachsenenschutz (KESV; BSG 213.316.1) i.V. mit Art. 328 Abs. 1 ZGB e contrario die Kosten der Begutachtung der betroffenen Person aufgrund ihrer Einkommensund Vermögensverhältnisse auferlegt werden können. Die psychiatrischen Dienste C.________ hätten am 15. September 2016 der KESB Oberland Ost Rechnung gestellt für die Erstellung des forensischen Fachgutachtens durch Dr. med.
D.________ im Totalbetrag von CHF 11'659.20. Dieser Betrag sei von der Kindesmutter zu tragen und ihr in Rechnung zu stellen (Entscheid, Ziff. 23).
19.2 Gemäss Art. 63 Abs. 3 KESG werden in gewissen Fällen, wie bspw. in Verfahren betreffend Kindesschutzmassnahmen (Art. 307 bis 311 ZGB), keine Verfahrenskosten erhoben. Nach Art. 63 Abs. 4 KESG können jedoch die Kosten für besondere Untersuchungen und Gutachten in den Fällen von Art. 63 Abs. 3 Bst. a bis c KESG der betroffenen Person auferlegt werden, wenn sie sich in günstigen Verhältnissen befindet. Davon ausgenommen sind die Kindesschutzmassnahmen gemäss Art. 63 Abs. 3 Bst. d KESG.
19.3 Das vorliegend in Frage stehende Gutachten wurde mit Entscheid vom 24. Juni 2016 von der Vorinstanz angeordnet. Den Erwägungen ist zu entnehmen, dass die Anordnung einer stationären psychiatrisch-forensischen Begutachtung zwingend notwendig sei, um die Gefährlichkeit von E.________ beurteilen zu können (Ziff. 7).
Gemäss den einleitenden Bemerkungen im Gutachten vom 6. September 2016 soll es insbesondere zum Gesundheitszustand, einer allfällig notwendigen Behandlung und/oder Betreuung sowie zur Prognose und zur Frage der erhöhten Gewaltbereitschaft von E.________ Stellung nehmen. Es ist somit davon auszugehen, dass das Gutachten deshalb erstellt werden sollte, um allfällig nötig bzw. unnötig werdende Kindesschutzmassnahmen nach Art. 307 ff. ZGB (wie insb. die Unterbringung in einer geeigneten Institution gemäss Art. 310 ZGB) abzuklären. Die für solche Gutachten zur Abklärung von Kindesschutzmassnahmen anfallenden Kosten dürfen in Anwendung von Art. 63 Abs. 4 KESG e contrario nicht auf die betroffene Person überwälzt werden.
19.4 Das Gesagte gilt auch, soweit die Vorinstanz die Gutachterkosten an die von ihr angeordneten ambulanten Massnahmen (und nicht etwa an die Fremdplatzierung nach Art. 310 ZGB) anknüpfen will. Wie hiervor bereits erwähnt wurde (E. 17.4 oben), handelt es sich bei den Anordnungen gemäss Entscheid vom 18. Oktober 2016 (Dispositivziffer 2, Bst. a-c) um Weisungen i.S. von Art. 307 Abs. 3 ZGB (und nicht etwa um solche nach Art. 33 KESG), welche ebenfalls von der vollumfänglichen Kostenbefreiung nach Art. 63 Abs. 3 und 4 KESG erfasst sind.
19.5 Im Ergebnis können die Kosten der Fachbegutachtung im Totalbetrag von CHF 11‘659.20 in casu nicht auf die betroffene Person überwälzt werden. Ergänzend ist noch darauf hinzuweisen, dass gemäss dem Entscheid des KESGer KES 2015 560 vom 4. Dezember 2015 die Kosten von Kindesschutzmassnahmen nicht per Verfügung den Eltern auferlegt werden können, da diese Kosten nach Bundesrecht (Art. 276 Abs. 1 ZGB) Teil des Unterhaltsanspruchs des Kindes sind und auf dem Klageweg geltend gemacht werden müssen.
19.6 Die Vorinstanz hat somit Recht verletzt, indem sie der Beschwerdeführerin die Kosten der Fachbegutachtung im Totalbetrag von CHF 11‘659.20 auferlegt hat. In Gutheissung der Beschwerde ist die Dispositivziffer 9 des Entscheids der Vorinstanz vom 18. Oktober 2016 aufzuheben.
(…)
Hinweis: Der Entscheid ist rechtskräftig.