Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
BK 2018 371 • OG BE BK 2018 371 KI-generiert

Appeal of Extended Psychotherapeutic Measure Denied Immediate Release

Geschäftsnummer BK 2018 371
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Kanton Bern (CH-BE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The court denied a convicted person's request for immediate release from detention, which was filed during the appeal process against the extension of a stationary psychotherapeutic measure. The petitioner's measure had been extended by the lower court for five years and was being appealed, but the appellate court determined that the individual was no longer in pre-trial or security detention (*Sicherheitshaft*) or premature measure commencement, but was instead under the executable extension of the measure itself. Referencing Article 387 of the Swiss Criminal Procedure Code, the court reasoned that the appeal does not have suspensive effect, meaning the initial court's decision to extend the measure was immediately enforceable, and as the court had not granted suspensive effect, the detention was founded on the legally executed measure and not a temporary detention title, thereby precluding a release based on a generic release request.

Legislator-Regeste

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Art. 59 Abs. 4 StGB, Art. 233 StPO, Art. 387 StPO, Art. 90 StGB, Art. 42 BGG, Art. 59 StGB; Appeal of Extended Psychotherapeutic Measure Denied Immediate Release: The petitioner's measure had been extended by the lower court for five years and was being appealed, but the appellate court determined that the individual was no longer in pre-trial or security detention (*Sicherheitshaft*) or premature measure commencement, but was instead under the executable extension of the measure itself. Referencing Article 387 of the Swiss Criminal Procedure Code, the court reasoned that the appeal does not have suspensive effect, meaning the initial court's decision to extend the measure was immediately enforceable, and as the court had not granted suspensive effect, the detention was founded on the legally executed measure and not a temporary detention title, thereby precluding a release based on a generic release request.

Schlagwörter

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Verlängerung der Untersuchungshaft strafrechtliche sichernde Massnahme Verlängerung der therapeutischen Massnahme Widerruf der bedingten Entlassung Rechte der inhaftierten Person psychiatrische Unterbringung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 233 StPO

Cited in the considerations to establish the competence of the procedure leader to decide on release requests, which forms the procedural background even if not explicitly in the dispositive, but the dispositive itself rules directly on the request based on substantive grounds related to the execution of the measure.

Art. 387 StPO

Cited in the reasoning to establish that the appeal did not have suspensive effect, forming the substantive basis for dismissing the request for release since the execution mandate was immediately enforceable.

Art. 59 StGB

Cited in the reasoning as the legal basis for the continued confinement imposed by the measure extension.

Art. 90 StGB

Cited in the reasoning as the legal basis for the continued confinement imposed by the measure extension.

Art. 66 al. 1 LTF

Cited in order 2, imposing the costs of the procedure (CHF 300.00) on the applicant.

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Volltext

Obergericht Cour suprême des Kantons Bern du canton de Berne

Beschwerdekammer in Chambre de recours pénale Strafsachen

Hochschulstrasse 17 Postfach Verfügung 3001 Bern BK 18 371 Telefon +41 31 635 48 09 Fax +41 31 634 50 54 obergericht-straf.bern@justice.be.ch www.justice.be.ch/obergericht Bern, 6. September 2018

Besetzung Oberrichterin Schnell (Präsidentin)

Gerichtsschreiberin Lustenberger

Verfahrensbeteiligte A.________ a.v.d. Rechtsanwältin B.________ Verurteilter/Gesuchsteller

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstrasse 10, Postfach 6250, 3001 Bern

Gegenstand Haftentlassungsgesuch vom 28. August 2018

Erwägungen:

1. Am 12. Juni 2018 verlängerte das Regionalgericht Bern-Mittelland (nachfolgend:

Regionalgericht) die gegen den Gesuchsteller angeordnete stationäre psychotherapeutische Massnahme gemäss Art. 59 Abs. 4 StGB um fünf Jahre, rückwirkend ab 2. Oktober 2017 (Ziffer 1). Am 22. Juni 2018 reichte der Gesuchsteller, amtlich vertreten durch Rechtsanwältin B.________, Beschwerde ein. Zudem beantragte er am 28. August 2018 die sofortige Freilassung aus der Sicherheitshaft. Die Generalstaatsanwaltschaft liess sich am 31. August 2018 vernehmen und beantragte die Abweisung des Haftentlassungsgesuchs, soweit darauf einzutreten sei. In seiner Replik vom 5. September 2018 hielt der Beschwerdeführer an seinem Haftentlassungsgesuch fest.

2. Gemäss Art. 233 StPO entscheidet die Verfahrensleitung über Haftentlassungsgesuche. Diese Bestimmung bezieht sich zwar auf das Berufungsgericht, muss aber auch bei der Beschwerdeinstanz zur Anwendung kommen, zumal bei den selbstständigen nachträglichen Entscheiden ein der Berufung angenähertes Verfahren zum Tragen kommt (BGE 141 IV 396 E. 4.4). Die Verfahrensleitung der Beschwerdekammer ist folglich zuständig für die Beurteilung des Haftentlassungsgesuches.

3. Entgegen der Auffassung der Parteien befindet sich A.________ derzeit weder in Sicherheitshaft noch im vorzeitigen Massnahmenantritt, sondern in der vollstreckbaren Massnahmenverlängerung. Zu verweisen ist diesbezüglich auf das Urteil des Bundesgerichts 6B_1390/2016 vom 22. Dezember 2016 E. 3.2:

„Das Regionalgericht ordnete am 9. September 2016 die Verlängerung der stationären Massnahme um vier Jahre an. Diesen Beschluss ficht der Beschwerdeführer zwar mit Beschwerde an. Strafprozessuale Rechtsmittel haben aber nach Art. 387 StPO keine aufschiebende Wirkung. Vorbehalten bleiben abweichende Bestimmungen der StPO oder Anordnungen der Verfahrensleitung der Rechtsmittelinstanz. Wird gegen einen Entscheid ein nicht suspensives Rechtsmittel wie etwa die Beschwerde nach Art. 393 ff. StPO erhoben, ist er sofort vollstreckbar, soweit die Verfahrensleitung nichts Gegenteiliges anordnet (VIKTOR LIEBER, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 1 f. zu Art. 387 StPO).

Mithin wurde der erstinstanzliche Beschluss mangels Suspensivwirkung mit der Eröffnung vollstreckbar. Der mit dem Aufenthalt im Zentrum für stationäre forensische Therapie Rheinau einhergehende Freiheitsentzug hat damit eine gesetzliche Grundlage im Massnahmenrecht (Art. 59 und Art. 90 StGB).“

Das bedeutet in casu, dass eine Haftentlassung auf Gesuch hin gar nicht möglich ist. Der Hafttitel könnte nur dann entfallen, wenn der Beschwerde die aufschiebende Wirkung erteilt worden wäre. Das ist nicht der Fall.

Das Haftentlassungsgesuch ist folglich abzuweisen.

4. Die Kosten dieses Verfahrens werden auf CHF 300.00 bestimmt und dem Gesuchsteller auferlegt. Die Entschädigung der amtlichen Verteidigerin wird am Ende des Verfahrens durch das Gericht festgesetzt.

Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Das Haftentlassungsgesuch wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Verfahrens, bestimmt auf CHF 300.00, werden dem Gesuchsteller auferlegt.

3. Die Entschädigung der amtlichen Verteidigerin wird am Ende des Verfahrens durch das Gericht festgesetzt.

4. Zu eröffnen:

- dem Verurteilten/Gesuchsteller, a.v.d Rechtsanwältin B.________

- der Generalstaatsanwaltschaft Mitzuteilen:

- den Bewährungsund Vollzugsdiensten

- dem Regionalgericht Bern-Mittelland, Gerichtspräsident C.________

- der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, Staatsanwalt D.________

Bern, 6. September 2018 Im Namen der Beschwerdekammer in Strafsachen Die Präsidentin:

Oberrichterin Schnell Die Gerichtsschreiberin:

Lustenberger

Die Kosten des Verfahrens werden durch die Beschwerdekammer in Strafsachen in Rechnung gestellt.

Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom

17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.