Appeal Against Public Prosecutor's Office for Undue Delay Regarding Criminal Complaint Dismissed
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertA complainant filed an appeal seeking a ruling on undue delay *(*Rechtsverzögerung)* against the regional public prosecutor's office, arguing that the failure to act on a criminal complaint filed roughly one month prior violated the right to fast proceedings. The court found that the complaint was admissible on procedural grounds since the complainant, as the initiator of the proceedings, had a protected interest in timely completion. However, the court dismissed the appeal as unfounded, reasoning that the constitutional and conventional right to proceedings within a reasonable time (*Beschleunigungsgebot*) requires a case-by-case assessment considering the complexity and urgency, and that complainants generally must show more patience than the accused. Given the short period of under one month since the multifaceted criminal complaint was filed, the court determined there was no disproportional overall duration or a "gross time gap" of unjustified inactivity, which, according to precedent, starts to be considered only after about 13 to 14 months of inaction at the investigation stage. Consequently, the court rejected the appeal and the related request for legal aid on the grounds of obvious lack of merit, imposing the procedural costs on the complainant.
Legislator-Regeste
KI-generiertArt. 393 Abs. 2 Bst, Art. 396 Abs. 2 StPO, Art. 13 Bst, Art. 23 Bst, Art. 382 Abs. 1 StPO, Art. 390 Abs. 2 StPO; Appeal Against Public Prosecutor's Office for Undue Delay Regarding Criminal Complaint Dismissed: The court found that the complaint was admissible on procedural grounds since the complainant, as the initiator of the proceedings, had a protected interest in timely completion. However, the court dismissed the appeal as unfounded, reasoning that the constitutional and conventional right to proceedings within a reasonable time (*Beschleunigungsgebot*) requires a case-by-case assessment considering the complexity and urgency, and that complainants generally must show more patience than the accused. Given the short period of under one month since the multifaceted criminal complaint was filed, the court determined there was no disproportional overall duration or a "gross time gap" of unjustified inactivity, which, according to precedent, starts to be considered only after about 13 to 14 months of inaction at the investigation stage. Consequently, the court rejected the appeal and the related request for legal aid on the grounds of obvious lack of merit, imposing the procedural costs on the complainant.
Schlagwörter
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KI-generiertUsed to order the appellant to bear the costs of the appeal proceedings due to the outcome.
Cited in the reasoning to establish the admissibility of appeals against inaction, but not explicitly in the dispositive beyond relevance to the overall case type.
Cited in the reasoning regarding the lack of a time limit for appeals concerning denial of justice or delay, but not explicitly in the dispositive.
Cited in the reasoning to explain the decision not to obtain a response, applying to procedural action, but not explicitly in the dispositive.
Cited in the reasoning as the constitutional basis for the right to judgment within a reasonable time.
Cited in the reasoning as a basis for the right to an accelerated procedure in criminal matters.
Cited in the reasoning as the specific procedural implementation of the acceleration requirement in criminal law.
Cited in the reasoning regarding the duties of criminal prosecution authorities concerning the acceleration requirement.
Cited in the reasoning regarding the application of the acceleration requirement to courts dealing with criminal matters.
Cited in the reasoning to establish the requirement for a legally protected interest, even in delay appeals.
Cited in the reasoning to establish the jurisdiction of the appellate chamber.
Cited in reasoning when discussing the standing to appeal.
Legal aid was requested and refused in the dispositive (Order 2).
Volltext
Obergericht Cour suprême des Kantons Bern du canton de Berne
Beschwerdekammer in Chambre de recours pénale Strafsachen
Hochschulstrasse 17 Postfach Beschluss 3001 Bern BK 16 541 Telefon +41 31 635 48 09 Fax +41 31 635 48 15 obergericht-straf.bern@justice.be.ch www.justice.be.ch/obergericht Bern, 29. Dezember 2016
Besetzung Oberrichterin Schnell (Präsidentin), Oberrichterin Bratschi, Oberrichter Vicari Gerichtsschreiber Kind
Verfahrensbeteiligte unbekannte Täterschaft (A.________, B.________, C.________, D.________ )
Beschuldigte
E.________ Beschwerdeführer
Gegenstand Rechtsverzögerung
Strafanzeige vom 21. November 2016
Erwägungen:
1. Mit Schreiben vom 22. November 2016 (Datum Stempel der niederländischen Post:
23. November 2016; Eingang bei der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland: 28. November 2016) reichte E.________ bei der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern- Mittelland (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) gegen die B.________, den C.________, die D.________ sowie den «Vermieter A.________» Strafanzeige wegen verschiedener Delikte ein. Am 16. Dezember 2016 erkundigte sich E.________ telefonisch bei der Staatsanwaltschaft nach dem Stand des Verfahrens. Ihm wurde mitgeteilt, dass das Verfahren bei der zuständigen Staatsanwältin zur Prüfung des weiteren Vorgehens sei. Die Staatsanwaltschaft werde ihn schriftlich informieren (Akten BM 51142-45, Telefonnotiz von F.________ vom 16. Dezember 2016).
Am 21. Dezember 2016 (Datum Poststempel) reichte E.________ bei der Beschwerdekammer Rechtsverzögerungsbeschwerde ein. Ausserdem stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege.
2. Die Beschwerde ist zulässig gegen Verfügungen und konkrete Verfahrenshandlungen der Strafverfolgungsbehörden, aber auch gegen Unterlassungen unter Einschluss der Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (Art. 393 Abs. 2 Bst. a der Schweizerischen Strafprozessordnung, [StPO, SR 312.0]). Beschwerden wegen Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung sind an keine Frist gebunden (Art. 396 Abs. 2 StPO). Sie können, unter dem Vorbehalt treuwidrigen Verhaltens, grundsätzlich jederzeit erhoben werden. Die Zuständigkeit der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Bern ergibt sich aus Art. 13 Bst. c StPO i.V.m. Art. 23 Bst. a Einführungsgesetz zur Zivilprozessordnung, zur Strafprozessordnung und zur Jugendstrafprozessordnung (EG ZSJ, BSG 271.1) i.V.m.
Art. 29 Abs. 2 Organisationsreglement des Obergerichts (OrR OG, BSG 162.11).
Das Vorliegen eines rechtlich geschützten Interesses (Art. 382 Abs. 1 StPO) wird auch im Falle einer Rechtsverzögerungsbeschwerde vorausgesetzt. Der Beschwerdeführer ist in den Verfahren BM 16 51142-45 Strafanzeiger und hat ein aktuelles und praktisches Interesse an einer Durchführung des Verfahrens innert angemessener Frist. Er ist somit zur Beschwerde legitimiert. Auf die Beschwerde ist einzutreten.
Mit Blick auf das Nachfolgende wurde auf das Einholen einer Stellungnahme verzichtet (Art. 390 Abs. 2 StPO)
3. Gemäss Art. 29 Abs. 1 Bundesverfassung (BV, SR 101) hat jede Person in Verfahren vor Gerichtsund Verwaltungsinstanzen Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist (sog. Beschleunigungsgebot oder Verbot der Rechtsverzögerung). Der gleiche Anspruch ergibt sich in zivilrechtlichen Streitigkeiten und Strafsachen aus Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101). Überdies konkretisiert Art. 5 StPO das Beschleunigungsgebot für den Bereich des Strafrechts; nach Abs. 1 dieser Bestimmung nehmen die Strafbehörden die Strafverfahren unverzüglich an die Hand und bringen sie ohne Verzögerung zum Abschluss. Diese Grundsätze kommen sowohl auf die Behörden der Strafverfolgung (Art. 12 und 15 ff. StPO) als auch die mit Strafsachen befassten Gerichte (Art. 13 und 18 ff. StPO) zur Anwendung. Was als angemessene Verfahrensdauer betrachtet werden kann, ist im Einzelfall vor dem Hintergrund des Anspruchs auf ein gerechtes Verfahren unter Beachtung der spezifischen Sachverhaltsund Verfahrensverhältnisse zu bestimmen. Dabei ist insbesondere auf die Schwierigkeit und Dringlichkeit der Sache sowie auf das Verhalten von Behörden und Parteien abzustellen. Anspruch auf Verfahrensbeschleunigung haben primär beschuldigte Personen, in etwas geringerem Mass jedoch auch die übrigen Verfahrensbeteiligten wie die Privatklägerschaft (Urteil des Bundesgerichts 6B_411/2015 vom 9. September 2015 E. 3.3 mit Hinweisen).
Der Beschwerdeführer, der als Privatkläger gemäss vorstehender Rechtsprechung generell etwas mehr Geduld aufbringen muss als ein Beschuldigter, sieht bereits nach knapp einem Monat nach Einreichung seiner gegen mehrere Behörden gerichteten und auf unterschiedlichen Sachverhalten fussenden Strafanzeige das Beschleunigungsgebot verletzt. Dem kann nicht gefolgt werden. Weder erscheint gegenwärtig die Gesamtdauer unverhältnismässig noch ist eine Periode von nicht zu rechtfertigender Untätigkeit (krasse Zeitlücke) ersichtlich. Eine solche krasse Zeitlücke nimmt das Bundesgericht für das hier interessierende Stadium der Untersuchung ab einer Untätigkeit von ca. 13 oder 14 Monaten an (Urteil 6B_390/2012 vom 18. Februar 2013 E. 4.4). Von einer derartigen Lücke kann hier nicht gesprochen werden. Die Rechtsverzögerungsbeschwerde erweist sich damit als offensichtlich unbegründet und ist abzuweisen.
4. Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
Der Beschwerdeführer beantragt zudem die unentgeltliche Rechtspflege. Ein solches Gesuch bedarf einer Begründung. Bei den Anträgen den Zusatz «und UR»
anzubringen genügt nicht. Aufgrund des Gesagten wäre es ausserdem wegen offensichtlicher Aussichtslosigkeit abzuweisen.
Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.
3. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 400.00, werden dem Beschwerdeführer auferlegt.
4. Zu eröffnen:
- dem Beschwerdeführer, per Adresse: G.________
- der Generalstaatsanwaltschaft Mitzuteilen:
- der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, Staatsanwältin H.________ (mit den Akten)
Bern, 29. Dezember 2016 Im Namen der Beschwerdekammer in Strafsachen Die Präsidentin:
Oberrichterin Schnell Der Gerichtsschreiber:
Kind
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden durch die Beschwerdekammer in Strafsachen in Rechnung gestellt.
Rechtsmittelbelehrung Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.