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200 2014 322 • VG BE 200 2014 322 KI-generiert

Policyholder Objection to Debt Collection After Bankruptcy Upheld Due to Improper Insurer Decision

Geschäftsnummer 200 2014 322
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Kanton Bern (CH-BE)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)
Kostenauflage keine Kosten erhoben

Legislator-Zusammenfassung

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A policyholder, whose bankruptcy was closed in January 2013, was pursued for accumulated healthcare cost-sharing (deductibles/copayments) and late fees, after he had previously been subject to a claim for outstanding premiums in the bankruptcy proceedings. Upon being served with the debt collection notice, the policyholder filed an objection, asserting that he had not acquired new assets since the bankruptcy, and the debt collection office referred the objection to the local enforcement judge per Art. 265a of the Swiss Federal Act on Debt Collection and Bankruptcy (DECA). Despite the referral to the judge, the insurer issued an "objection decision" on February 28, 2014, lifting the policyholder's objection for the claimed amount. The court annulled the insurer's "objection decision," reasoning that the insurer violated procedural law under the General Part of Social Insurance Law (ATSG) by issuing an objection decision without a prior formal ruling (verfügung), and critically, because the insurer was not the competent authority to rule on the objection concerning the lack of new assets after bankruptcy, as the authority for that specific objection lies with the judge of the place of debt enforcement according to Art. 265a DECA.

Legislator-Regeste

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Art. 265a SchKG, Art. 61 Bst, Art. 61 Bst. a ATSG, Art. 90 ff. BGG, Art. 39 ff. BGG, Art. 82 ff. BGG; Policyholder Objection to Debt Collection After Bankruptcy Upheld Due to Improper Insurer Decision: Upon being served with the debt collection notice, the policyholder filed an objection, asserting that he had not acquired new assets since the bankruptcy, and the debt collection office referred the objection to the local enforcement judge per Art. 265a of the Swiss Federal Act on Debt Collection and Bankruptcy (DECA). Despite the referral to the judge, the insurer issued an "objection decision" on February 28, 2014, lifting the policyholder's objection for the claimed amount. The court annulled the insurer's "objection decision," reasoning that the insurer violated procedural law under the General Part of Social Insurance Law (ATSG) by issuing an objection decision without a prior formal ruling (verfügung), and critically, because the insurer was not the competent authority to rule on the objection concerning the lack of new assets after bankruptcy, as the authority for that specific objection lies with the judge of the place of debt enforcement according to Art. 265a DECA.

Schlagwörter

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Rechtsvorschlag Konkursforderung Versicherungsnehmer Vollschulden Prämienbezug Insolvenz des Versicherers Einspracheentscheid vom 28. Februar 2014 (867'852 - 0431831-7 HACH)

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 61 Bst. a ATSG

Cited in the reasoning as a basis for noting that the respondent's conduct displayed vexatious or reckless features which could lead to the charging of subsequent proceedings costs.

Art. 90 ff. BGG

Cited in the legal remedies section as a basis for filing an appeal in public law matters to the Federal Tribunal.

Art. 39 ff. BGG

Cited in the legal remedies section as a basis for filing an appeal in public law matters to the Federal Tribunal.

Art. 82 ff. BGG

Cited in the legal remedies section as a basis for filing an appeal in public law matters to the Federal Tribunal.

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Volltext

200 14 322 KV MAW/COC/ARJ

Verwaltungsgericht des Kantons Bern Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 23. April 2014

Verwaltungsrichter Matti Gerichtsschreibein Collatz

A.________ Beschwerdeführer

gegen

Sanitas Grundversicherungen AG Länggassstrasse 7, Postfach 256, 3000 Bern 5 Beschwerdegegnerin

betreffend Einspracheentscheid vom 28. Februar 2014 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. April 2014, KV/14/322, Seite 2

Der Einzelrichter zieht in Erwägung,

 Am xx.xx. 2012 wurde über A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) der Konkurs eröffnet, was im Schweizerischen Handelsamtsblatt am xx.xx. 2012 publiziert wurde. Die Eingabefrist für Forderungen wurde dabei auf den xx.xx. 2012 gesetzt (Beschwerdebeilage [BB] 2).

Das Konkursverfahren wurde im summarischen Verfahren durchgeführt und per 29. Januar 2013 als geschlossen erklärt. Im Konkurs hatte die Sanitas Grundversicherungen AG (Sanitas bzw. Beschwerdegegnerin)

eine Forderung für ausstehende Krankenkassenprämien vom 1. März 2011 bis 31. Juli 2011 sowie Mahnspesen eingegeben (Antwortbeilage der Sanitas [AB] 10).

 Am 10. Juli 2013 erhob die Sanitas vom Versicherten eine Kostenbeteiligung von Fr. 1‘577.15 für eine Spitalbehandlung vom 4. – 6. Mai 2010, welche sie zusammen mit Mahnkosten von Fr. 120.-- am 6. Februar 2014 in Betreibung setzte (AB 1 – 6).

 Nachdem der Versicherte am 13. Februar 2014 Rechtsvorschlag mit der Begründung erhoben hatte, er sei zu keinem neuen Vermögen gekommen (AB 6), informierte die Dienststelle … des Betreibungsamts … die Sanitas darüber, dass dieser Rechtsvorschlag gemäss Art. 265a des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs vom 11. April 1889 (SchKG; SR 281.1) dem Richter des Betreibungsortes vorgelegt werde und dass dieser nach Anhörung der Parteien über den Rechtsvorschlag entscheide (AB 7).

 Am 28. Februar 2014 hob die Sanitas den Rechtsvorschlag für den Betrag von Fr. 1‘770.45 auf. Sie bezeichnete diesen Entscheid als „Einspracheentscheid“ und bezeichnete das kantonale Versicherungsgericht als zuständige Beschwerdeinstanz (BB 8).

 Mit Beschwerde vom 1. April 2014 beantragt der Versicherte der Einspracheentscheid sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen die Betreibung nicht fortzusetzen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. April 2014, KV/14/322, Seite 3

 Mit Beschwerdeantwort vom 16. April 2014 schildert die Beschwerdegegnerin den bisherigen Verfahrensablauf, ohne einen Antrag zu stellen.

 Da der Streitwert Fr. 20‘000.-- nicht erreicht, fällt die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 57 Abs. 1 des kantonalen Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 11. Juni 2009 [GSOG; BSG 161.1]).

 Dadurch, dass die Beschwerdegegnerin einen Einspracheentscheid erlassen hat, ohne vorher formell zu verfügen, hat sie die gesetzlichen Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1) verletzt.

 Zudem hat sie den Rechtsvorschlag des Beschwerdeführers beseitigt, obschon zur Beurteilung der Zulässigkeit des Rechtsvorschlags im vorliegenden Fall nicht sie, sondern gemäss Art. 265a SchKG der Richter des Betreibungsortes zuständig ist.

 Die Verletzung der Verfahrensvorschriften durch die Beschwerdegegnerin wiegen derart schwer, dass der angefochtene Einspracheentscheid ohne weiteres aufzuheben ist.

 Dabei versteht es sich von selbst, dass die Betreibung nur dann fortgesetzt werden kann, wenn der zuständige Gerichtspräsident den Rechtsvorschlag beseitigt.

 Das Verfahren ist kostenlos, wobei die Beschwerdegegnerin darauf hingewiesen wird, dass ihr Verhalten mutwillige bzw. leichtsinnige Züge im Sinne von Art. 61 Bst. a ATSG aufweist, was im Wiederholungsfall die Auflage von Verfahrenskosten nach sich ziehen kann.

 Es sind keine Parteikosten zuzusprechen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. April 2014, KV/14/322, Seite 4

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid der Sanitas Grundversicherungen AG vom 28. Februar 2014 aufgehoben.

2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch eine Parteientschädigung zugesprochen.

3. Zu eröffnen (R):

- A.________ (samt eingereichten Akten)

- Sanitas Grundversicherungen AG (samt eingereichten Akten)

- Bundesamt für Gesundheit

- Regionalgericht …

Hinweis: Im Falle einer Anfechtung dieses Entscheides sind die Akten dem Bundesgericht zuzustellen.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begründung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.