Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
SST.2010.93 • OG AG SST.2010.93 KI-generiert

Criminal Code Application: Attempt, Withdrawal of Complaints, Statutes of Limitations, and Theft

Geschäftsnummer SST.2010.93
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Kanton Aargau (CH-AG)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

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When multiple offenses are in genuine competition, and only an attempt exists for one offense, a sentence reduction under Article 22(1) in conjunction with Article 48a of the Criminal Code is not possible due to the application of Article 49(1). However, the attempt itself should be considered a mitigating factor under Article 47. In a separate case, a threat or deception used to withdraw a criminal complaint invalidates the withdrawal, as the Criminal Code does not reward behavior it otherwise penalizes, even if Swiss Civil Code provisions on contract defects are not analogously applicable. Additionally, once a first-instance judgment is issued, prosecution statutes of limitations cease to apply, even if that judgment is overturned and remanded. Finally, setting a thief trap does not constitute consent to a breach of possession and therefore does not preclude theft under Article 139.

Legislator-Regeste

Amtlich

Art. 22 Abs. 1, 47, 48a und 49 Abs. 1 StGB. Liegt bei mehreren in echter Konkurrenz zueinander stehenden Tatbeständen in Bezug auf ein Delikt nur ein Versuch vor, kann keine Strafmilderung nach Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 48a StGB vorgenommen werden. Dies ergibt sich aus der Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB. Der Umstand ist jedoch nach Art. 47 StGB strafmindernd zu berücksichtigen.

Schlagwörter

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Versuch im Strafrecht Verjährungsfristen Rückzug des Strafantrags Strafzumessung Strafmilderungsgründe Strafminderung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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Art. 49 Abs. 1 StGB

Used to determine that a reduction in sentence according to Art. 22 para. 1 in conjunction with Art. 48a StGB is not possible when multiple offenses are in true concurrence regarding one offense and only one attempt is present.

Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 48a StGB

Cited as a provision for which a reduction in sentence cannot be granted under the circumstances described.

Art. 47 StGB

Cited as the provision under which the circumstance of the offense remaining in the attempt stage should be considered a mitigating factor for sentencing.

Art. 33 StGB

Cited in relation to the invalidity of withdrawing a criminal complaint due to threats or deception.

Art. 97 Abs. 3 StGB

Cited to establish that the statute of limitations for prosecution does not apply once a first-instance decision has been rendered, even if that decision is overturned and the case remanded.

Art. 139 StGB

Cited in relation to the act of setting a 'thief trap' not excluding theft.

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Volltext

2010 Strafrecht 45

IV. Strafrecht

7 Art. 22 Abs. 1, 47, 48a und 49 Abs. 1 StGB.

Liegt bei mehreren in echter Konkurrenz zueinander stehenden Tatbeständen in Bezug auf ein Delikt nur ein Versuch vor, kann keine Strafmilderung nach Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 48a StGB vorgenommen werden.

Dies ergibt sich aus der Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB. Der Umstand ist jedoch nach Art. 47 StGB strafmindernd zu berücksichtigen.

Aus dem Entscheid des Obergerichts, 1. Strafkammer, vom 27. Mai 2010, i.S. Staatanwaltschaft des Kantons Aargau gegen J.M. (SST.2010.93)

Aus den Erwägungen

3.1.

(…)

Der Umstand, dass in Bezug auf die Nötigung nur ein Versuch vorliegt, führt aber entgegen der Vorinstanz nicht dazu, dass eine Strafmilderung gemäss Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 48a StGB vorgenommen werden könnte. Dies folgt aus der Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB (vgl. Christian Schwarzenegger/Markus Hug/Daniel Jositsch, Strafrecht II, 8. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2007, § 5 Ziff. 3.121, S. 75 f., und Ziff. 3.131, S. 85 f.). Anders zu entscheiden würde bedeuten, dass derjenige, der bloss eine vollendete Nötigung begeht, hinsichtlich der Mindeststrafe schlechter gestellt wäre als derjenige, der neben einer vollendeten noch eine versuchte Nötigung oder nebst anderen vollendeten Verbrechen oder Vergehen noch eine versuchte Nötigung begeht (vgl. Schwarzenegger/Hug/Jositsch, a.a.O., § 5 Ziff. 3.121, S. 76). Der Umstand, dass vorliegend die Nötigung im Versuchsstadium stecken geblieben ist, ist jedoch im Rahmen von Art. 47 StGB strafmindernd zu berücksichtigen (BGE

121 IV 49 E. 1b S. 54 f.; zum Ganzen auch Urteil des Obergerichts

46 Obergericht 2010

des Kantons Aargau vom 10. November 2004 (SST.2004.736) E. 5 und Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 23. März 2006 (SST.2006.8) E. 3.2.1, beide mit Bezug auf aArt. 65 StGB).

8 Art. 33 StGB.

Eine strafrechtlich relevante Drohung oder Täuschung, durch die der Rückzug des Strafantrags bewirkt wurde, hindert die Wirksamkeit der Erklärung des Rückzugs. Die nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung fehlende (analoge) Anwendbarkeit von Art. 23 ff. OR kann nicht zur Folge haben, dass das StGB ein Verhalten belohnt, dass es selbst anderweitig pönalisiert.

Aus dem Entscheid des Obergerichts, 1. Strafkammer, vom 19. August 2010, i.S. M.A. gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau (SST.2010.82)

9 Art. 97 Abs. 3 StGB.

Liegt ein erstinstanzliches Erkenntnis vor, tritt gemäss Art. 97 Abs. 3 StGB die Verfolgungsverjährung nicht mehr ein. Das gilt auch, wenn das verurteilende erstinstanzliche Urteil durch das Obergericht aufgehoben und die Sache zu neuer Entscheidung an die erste Instanz zurückgewiesen wird.

Aus dem Entscheid des Obergerichts, 1. Strafkammer, vom 24. Juni 2010, i.S. A.G. gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau (SST.2010.127)

10 Art. 139 StGB.

Das Stellen einer Diebesfalle (Präparierung einer Geldnote und Platzierung in Portemonnaie) ist keine Einwilligung zum Gewahrsamsbruch und schliesst die Wegnahme im Sinn von Art. 139 StGB nicht aus.

Auszug aus dem Entscheid des Obergerichts, 2. Strafkammer, vom 20. Januar 2010, i.S. StA gegen L.A.K. (SST.2009.190)