Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
2013/21/0119 ECLI:AT:VWGH:2013:2013210119.X00 KI-generiert

VwGH annulled deportation fine due to unexamined Article 8 ECHR private ties overriding public expulsion interests.

Geschäftsnummer 2013/21/0119
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Österreich (AT)
Entscheiddatum
Ausgang Teilweise gutgeheissen (Partially Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

The Administrative Court of Justice annulled the deportation fine and ordered cost reimbursement to the complainant. The complainant, an Azerbaijani national, faced a penalty for illegal residence after an asylum expulsion order potentially lost effect due to significant private bonds in Austria. The court held that the lower authority failed to examine whether these strong family ties outweighed public interests, rendering the fine substantively unlawful under Article 8 of the ECHR.

Legislator-Regeste

KI-generiert

§ 42 Abs. 2 Z 1 VwGG; Art. 8 EMRK: A deportation fine is substantively unlawful if the authority fails to assess whether the complainant's significant private bonds in the host state outweigh the public interest in expulsion.

Schlagwörter

KI-generiert
Article 8 ECHR deportation fine illegal residence private bonds substantive unlawfulness family ties proportionality test Asyl für afghanische Staatsangehörige

Zitierte Gesetzesbestimmungen

KI-generiert
§ 42 Abs. 2 Z 1 VwGG
Der angefochtene Bescheid war daher gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufzuheben.
§§ 47 ff VwGG
Der Kostenzuspruch gründet sich auf die §§ 47 ff VwGG in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2008.
VwGH-Aufwandersatzverordnung 2008
Der Kostenzuspruch gründet sich auf die §§ 47 ff VwGG in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2008.
Art. 8 EMRK
Während des angelasteten Tatzeitraumes konnte diese Ausweisung aber ihre Wirksamkeit verlieren, wenn sich die Beurteilungsgrundlagen für die Abwägung nach Art. 8 EMRK maßgeblich zu Gunsten des Beschwerdeführers verschoben hätten.
§ 31 Abs. 1 Fremdenpolizeigesetz 2005
Jänner 2013 nicht rechtmäßig im Bundesgebiet aufgehalten, weil er im angeführten Tatzeitraum kein „Aufenthaltsrecht“ nach § 31 Abs. 1 Fremdenpolizeigesetz 2005 (FPG) gehabt habe.
§ 120 Abs. 1a Fremdenpolizeigesetz 2005
§ 43 Abs. 3 NAG
Oktober 2011 eingebrachten Antrag auf Erteilung eines Aufenthaltstitels nach § 43 Abs. 3 NAG ein umfangreiches Vorbringen zu seiner Integration in Österreich sowie zum Bestehen einer Lebensgemeinschaft mit einer Österreicherin und eines besonderen Naheverhältnisses zu deren Kindern und anderen Verwandten erstattet.

Zitierte Rechtsprechung

KI-generiert
KI-generiert

Fragen Sie sich, wie dieser Entscheid auf Ihren Fall anwendbar ist?

Prüfen Sie diesen Entscheid zusammen mit Bundesrecht, kantonalen Erlassen, Kommentaren und Folgeentscheiden in Legislator AI.

Fall in Legislator öffnen →

Volltext

Der angefochtene Bescheid wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben.

Der Bund hat dem Beschwerdeführer Aufwendungen in der Höhe von EUR 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen.

Aus dem angefochtenen Bescheid ergibt sich folgender unstrittiger Sachverhalt:

Gegen den seit 28. Juli 2007 in Österreich aufhältigen Beschwerdeführer, einen Staatsangehörigen von Aserbaidschan, war mit dem im Instanzenzug ergangenen Erkenntnis des Asylgerichtshofes vom 23. September 2010 im Zusammenhang mit der Aberkennung des Status eines subsidiär Schutzberechtigten eine asylrechtliche Ausweisung erlassen worden.

Mit Straferkenntnis der Bezirkshauptmannschaft Wels-Land vom 8. Jänner 2013 wurde dem Beschwerdeführer sodann zur Last gelegt, er habe sich vom 28. September 2010 bis zum 8. Jänner 2013 nicht rechtmäßig im Bundesgebiet aufgehalten, weil er im angeführten Tatzeitraum kein „Aufenthaltsrecht“ nach § 31 Abs. 1 Fremdenpolizeigesetz 2005 (FPG) gehabt habe. Über den Beschwerdeführer wurde deshalb gemäß § 120 Abs. 1a FPG eine Geldstrafe von EUR 500,-- (Ersatzfreiheitsstrafe: 144 Stunden) verhängt.

Die dagegen erhobene Berufung wies der Unabhängige Verwaltungssenat des Landes Oberösterreich (der belangte UVS) mit dem angefochtenen Bescheid vom 15. Februar 2013 als unbegründet ab und bestätigte das angefochtene Straferkenntnis.

Gegen diesen Bescheid erhob der Beschwerdeführer zunächst Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof, der ihre Behandlung mit Beschluss vom 6. Juni 2013, B 432/2013-5, ablehnte; zugleich trat er die Beschwerde dem Verwaltungsgerichtshof zur Entscheidung ab.

Der Verwaltungsgerichtshof hat über die auftragsgemäß ergänzte Beschwerde nach (nur teilweiser) Aktenvorlage erwogen:

Der Beschwerdeführer hatte - so die Wiedergabe im angefochtenen Bescheid - im Verwaltungsstrafverfahren unter Bezugnahme auf den am 11. Oktober 2011 eingebrachten Antrag auf Erteilung eines Aufenthaltstitels nach § 43 Abs. 3 NAG ein umfangreiches Vorbringen zu seiner Integration in Österreich sowie zum Bestehen einer Lebensgemeinschaft mit einer Österreicherin und eines besonderen Naheverhältnisses zu deren Kindern und anderen Verwandten erstattet.

Dieses Vorbringen hielt die belangte Behörde offenbar nicht für relevant, zumal sie sich damit im angefochtenen Bescheid in keiner Weise auseinander setzte. Zwar hatte der Asylgerichtshof gegen den Beschwerdeführer im September 2010 eine asylrechtliche Ausweisung erlassen. Während des angelasteten Tatzeitraumes konnte diese Ausweisung aber ihre Wirksamkeit verlieren, wenn sich die Beurteilungsgrundlagen für die Abwägung nach Art. 8 EMRK maßgeblich zu Gunsten des Beschwerdeführers verschoben hätten. Genau das hatte der Beschwerdeführer aber geltend gemacht.

Hätte sich - was jedoch, wie erwähnt, vom belangten UVS nicht geprüft wurde - aber ergeben, dass der Beschwerdeführer mittlerweile derart gravierende private Bindungen in Österreich aufzuweisen hat, dass sein Interesse an deren Aufrechterhaltung die entgegenstehenden öffentlichen Interessen an einer Außerlandesschaffung überwiegt, so hätte er wegen unrechtmäßigen Aufenthalts im Inland nicht bestraft werden dürfen (vgl. dazu das hg. Erkenntnis vom 2. August 2013, Zl. 2012/21/0151, mwN; siehe des Näheren auch das hg. Erkenntnis vom 18. April 2013, Zl. 2011/21/0249, mwN).

Der angefochtene Bescheid war daher gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufzuheben.

Der Kostenzuspruch gründet sich auf die §§ 47 ff VwGG in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2008.

Wien, am 14. November 2013