Constitutional complaint against tax deficiency order: procedural standing of partially disenfranchised applicant without guardian's consent
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Constitutional Court dismissed the applicant's request for procedural aid and rejected the constitutional complaint without further examination. The dispute concerned a challenge to a tax authority’s order to remedy deficiencies issued under §275 of the Federal Tax Code, where the applicant, a partially disenfranchised individual with a court-appointed legal guardian, attempted to file the complaint without the guardian’s consent. Relying on the Austrian Code of Civil Procedure applied mutatis mutandis via §35 of the Constitutional Court Act, the Court held that a partially disenfranchised person possesses only the procedural capacity of a mature minor and thus requires the guardian’s explicit consent to litigate under §§151 ff and 244 of the Austrian Civil Code; because this prerequisite for standing (legitimation) was not met, the complaint was inadmissible under §19(3)(1) of the Constitutional Court Act, and the aid request was denied due to the manifest lack of prospects for success.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 35 VerfGG; § 19 Abs 3 Z 1 lit a VerfGG: A person with limited capacity cannot independently file a constitutional complaint without the consent of their appointed guardian, and the absence of such consent constitutes a lack of procedural standing.
Schlagwörter
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KI-generiertVolltext
Der Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe wird abgewiesen.
Die Beschwerde wird zurückgewiesen.
Begründung:
In seiner Eingabe vom 14. Oktober 1980 wendet sich der Beschwerdeführer gegen den Bescheid der Finanzlandesdirektion für Wien, NÖ und Bgld. vom 23. September 1980, GZ 6-3310/77, mit dem ihm ein Mängelbehebungsauftrag gemäß §275 Bundesabgabenordnung erteilt wurde.
Der Beschwerdeführer ist mit Beschluß des Bezirksgerichtes Innere Stadt Wien vom 12. Februar 1974, Z 3 L 26/73-45, beschränkt entmündigt worden. Mit Beschluß des Bezirksgerichtes Innere Stadt Wien, Z 3 P 197/75-2, wurde Rechtsanwalt Dr. F.N., J-straße, 1080 Wien, als Beistand bestellt.
Der Beistand hat innerhalb der ihm vom VfGH mit Aufforderung vom 5. November 1980 gestellten Frist die Einwilligung zur Beschwerdeerhebung nicht erteilt.
Nach der gemäß §35 VerfGG im Verfahren vor dem VfGH sinngemäß anzuwendenden ZPO ist eine Person nur insoweit fähig, selbständig vor Gericht als Partei zu handeln, als sie nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen selbständig gültige Verpflichtungen eingehen kann. Eine durch ein Entmündigungsverfahren betroffene Person ist nach Bestellung eines Beistandes im gleichen Umfang wie ein mündiger Minderjähriger prozeßfähig (§9 iVm §4 EntmO, vgl. OGH SZ 19/202).
Der Beschwerdeführer bedarf daher zur Prozeßführung grundsätzlich der Einwilligung seines Beistandes (§§151 ff, 244 ABGB). Eine Angelegenheit, für die die Prozeßfähigkeit ausnahmsweise zuzuerkennen wäre, liegt offenkundig nicht vor.
Da der gerichtlich bestellte Beistand dem beschränkt entmündigten Beschwerdeführer die Zustimmung zur Beschwerdeerhebung nicht erteilt hat, fehlt die Prozeßvoraussetzung der Legitimation. Die Beschwerde war daher gemäß §19 Abs3 Z1 lite VerfGG in nichtöffentlicher Sitzung zurückzuweisen (vgl. VfSlg. 5711/1968; VfGH 11. 10. 1978 B532/78, 27. 9. 1979 B296/79).
Der Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe war wegen offenbarer Aussichtslosigkeit der Beschwerdeführung gemäß §63 ZPO iVm §35 Abs1 VerfGG abzuweisen.