Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
B427/91 ECLI:AT:VFGH:1992:B427.1991 KI-generiert

Disciplinary sanction based on unlawful advertising prohibition guidelines

Geschäftsnummer B427/91
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Österreich (AT)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)
Kostenauflage zulasten Vorinstanz / Staat

Legislator-Zusammenfassung

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The Constitutional Court (VfGH) upheld the complainant’s constitutional complaint, ordering the annulment of the disciplinary decision and awarding the complainant S 15,000 in legal costs. The dispute concerned a tax consultant who received a formal reprimand from the professional disciplinary senate of the Chamber of Tax Consultants for violating professional advertising prohibitions by including his full address and professional titles in an unsolicited newsletter to an indeterminate audience. The Court determined that the specific sections of the "Advertising Prohibition Guidelines" applied by the lower authority were unlawful, having previously declared them contrary to law in a separate proceeding (V313/91, V18/92). Relying on Article 144(1) of the Federal Constitutional Law and the doctrine that the application of an unlawful general norm infringes constitutional rights, the Court found the complainant’s rights violated and reversed the disciplinary sanction, resolving the case without a public oral hearing under § 19(4)(3) of the Constitutional Court Act.

Legislator-Regeste

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Art. 139 Abs. 1 B-VG; Art. 144 Abs. 1 B-VG: The Constitutional Court must examine the constitutionality of regulations applied in disciplinary proceedings; if such regulations are found unconstitutional, sanctions based on them are invalid and must be annulled.

Schlagwörter

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unconstitutional regulation disciplinary sanction advertising ban tax advisor annulment of decision procedural costs professional ethics

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Art. 139 Abs. 1 B-VG
Art. 144 Abs. 1 B-VG
§ 19 Abs. 4 Z. 3 VerfGG
Procedural basis cited in the dispositive to justify the decision without a public oral hearing.
§ 88 VerfGG
Legal basis cited in the dispositive for the award of costs to the complainant.
§ 39 Abs. 1 WTBO
§ 47 Abs. 1 WTBO
§ 48 WTBO
Art139 Abs1 B-VG
November 1991 beschlossen, aus Anlaß der vorliegenden Beschwerde gemäß Art139 Abs1 B-VG von Amts wegen ein Verfahren zur Prüfung der Gesetzmäßigkeit der Präambel sowie des Pkt.
§19 Abs4 Z3 VerfGG
Procedural basis cited in the dispositive to justify the decision without a public oral hearing.
§88 VerfGG
Legal basis cited in the dispositive for the award of costs to the complainant.

Zitierte Rechtsprechung

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VwGH 14.5.1985, Zl. 84/04/0125
VwGH 14.5.1985, Zl. 84/04/0125, und VfGH 12.10.1988, B1228/86 (vgl.
VfGH 12.10.1988, B1228/86
84/04/0125, und VfGH 12.10.1988, B1228/86 (vgl.
VfSlg. 11872/1988
VfSlg. 11872/1988)) - ergangenen Bescheid ("Erkenntnis") vom 2.
VfSlg. 10303/1984
Der Beschwerdeführer wurde also durch den angefochtenen Bescheid wegen Anwendung einer gesetzwidrigen Verordnung in seinen Rechten verletzt (zB VfSlg. 10303/1984, 10515/1985).
VfSlg. 10515/1985
V313/91, V18/92
Juni 1992, V313/91, V18/92, hat der Verfassungsgerichtshof festgestellt, daß diese Verordnungsbestimmungen gesetzwidrig waren.

Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§19 Abs4 Z3 VerfGG

Procedural basis cited in the dispositive to justify the decision without a public oral hearing.

§88 VerfGG

Legal basis cited in the dispositive for the award of costs to the complainant.

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Volltext

Der Beschwerdeführer ist durch den angefochtenen Bescheid wegen Anwendung einer gesetzwidrigen Verordnung in seinen Rechten verletzt worden.

Der Bescheid wird aufgehoben.

Die Kammer der Wirtschaftstreuhänder ist schuldig, dem Beschwerdeführer, zu Handen seines Rechtsvertreters, die mit S 15.000,-- bestimmten Prozeßkosten binnen 14 Tagen bei Exekution zu bezahlen.

Entscheidungsgründe:

I. 1. Der Berufungssenat des Ehrengerichts- und Disziplinarausschusses der Kammer der Wirtschaftstreuhänder hat mit dem im Instanzenzug - und zwar im dritten Rechtsgang (s. VwGH 14.5.1985, Zl. 84/04/0125, und VfGH 12.10.1988, B1228/86 (vgl. VfSlg. 11872/1988)) - ergangenen Bescheid ("Erkenntnis") vom 2. März 1990, Zl. 79/81, (dem Beschwerdeführer zugestellt am 5. März 1991), den Beschwerdeführer - einen Steuerberater - schuldig erkannt,

"die Berufspflicht verletzt zu haben nach §39 Abs1 WTBO (Wirtschaftstreuhänder-Berufsordnung) im Zusammenhang mit Pkt. 1, Z1 u. 4 der Werbeverbotsrichtlinien wiederverlautbart nach dem Beschluß des Vorstandes der Kammer der Wirtschaftstreuhänder vom 25.6.1979, veröffentlicht in Beilage 2 'Kammer der Wirtschaftstreuhänder' Nr. 10/79 sowie eine Beeinträchtigung des Standesansehens nach §47 Abs1 WTBO begangen zu haben, durch Anführung der vollen Anschrift 'Völkermarkter Ring 1, 9020 Klagenfurt' und der Berufsbezeichnung 'Wirtschaftstreuhänder' und 'Steuerberater' nach dem Inhaltsverzeichnis eines 'Raiffeisen-Unternehmer-Service' bezeichneten Rundschreibens, Steuerinformation II/81 und III/81 des Raiffeisenverbandes Kärnten, das unaufgefordert einem unbestimmbaren Personenkreis im Jahre 1981 zugesandt wurde."

Über den Beschwerdeführer wurde deshalb gemäß §48 WTBO die Strafe der Verwarnung verhängt.

2. Gegen diesen Bescheid wendet sich die vorliegende, auf Art144 (Abs1) B-VG gestützte Beschwerde, in der die Verletzung verfassungsgesetzlich gewährleisteter Rechte und die Verletzung in Rechten wegen Anwendung rechtswidriger genereller Normen (darunter der im folgenden Pkt. II.1. näher zitierten "Werbeverbotsrichtlinien") behauptet und die kostenpflichtige Aufhebung des angefochtenen Bescheides beantragt wird.

3. Der Berufungssenat des Ehrengerichts- und Disziplinarausschusses der Kammer der Wirtschaftstreuhänder als belangte Behörde legte die Verwaltungsakten vor und erstattete eine Gegenschrift, in der begehrt wird, der Beschwerde keine Folge zu geben.

II. 1. Der Verfassungsgerichtshof hat am 27. November 1991 beschlossen, aus Anlaß der vorliegenden Beschwerde gemäß Art139 Abs1 B-VG von Amts wegen ein Verfahren zur Prüfung der Gesetzmäßigkeit der Präambel sowie des Pkt. I ("Berufswidrige Werbung") Z1 und 4 der vom Vorstand der Kammer der Wirtschaftstreuhänder am 25. Juni 1979 beschlossenen "Werbeverbotsrichtlinien" (kundgemacht in der Beilage zur Druckschrift "Kammer der Wirtschaftstreuhänder" Nr. 10/1979) einzuleiten.

2. Mit Erkenntnis vom 24. Juni 1992, V313/91, V18/92, hat der Verfassungsgerichtshof festgestellt, daß diese Verordnungsbestimmungen gesetzwidrig waren.

III. Die belangte Behörde hat somit eine gesetzwidrige Verordnung angewendet. Es ist nach Lage des Falles offenkundig, daß ihre Anwendung für die Rechtsstellung des Beschwerdeführers nachteilig war.

Der Beschwerdeführer wurde also durch den angefochtenen Bescheid wegen Anwendung einer gesetzwidrigen Verordnung in seinen Rechten verletzt (zB VfSlg. 10303/1984, 10515/1985).

Der Bescheid war daher aufzuheben.

IV. 1. Dies konnte gemäß §19 Abs4 Z3 VerfGG in nichtöffentlicher Sitzung ohne Durchführung einer mündlichen Verhandlung beschlossen werden.

2. Die Kostenentscheidung beruht auf §88 VerfGG. In den zugesprochenen Kosten ist Umsatzsteuer in der Höhe von S 2.500,-- enthalten.