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G65/10 ua ECLI:AT:VFGH:2010:G65.2010 KI-generiert

Denial of legal aid for individual constitutional annulment application due to availability of alternative judicial review avenues

Geschäftsnummer G65/10 ua
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Österreich (AT)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

The Constitutional Court dismissed the applicant's petition for legal aid and rejected the request to refer the matter to the Administrative Court, upholding the view that the intended individual application for the annulment of specific statutory provisions was inadmissible and plainly hopeless. The detained applicant sought to challenge §11a (1) of the Prison Act and §34 (3) of the General Administrative Procedure Act, but the Court found that alternative, reasonable legal avenues existed to raise these constitutional concerns. Specifically, regarding the Prison Act, the applicant could have triggered a review by the Constitutional Court through appeals against prior execution chamber decisions in pending proceedings, and regarding the administrative order penalty, he could have pursued an appeal and a subsequent complaint under Article 144 of the Federal Constitution. Because these standard remedies were available, the individual application under Article 140 (1) of the Federal Constitution lacked the requisite standing due to the absence of unusual circumstances justifying direct intervention, resulting in the dismissal of the legal aid application under §63 (1) ZPO in conjunction with §35 (1) of the Constitutional Court Act.

Legislator-Regeste

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Art140 B-VG, Art140 Abs1 B-VG, §34 Abs3 AVG, Art144 B-VG, §63 Abs1 ZPO, §35 Abs1 VfGG; Denial of legal aid for individual constitutional annulment application due to availability of alternative judicial review avenues: The detained applicant sought to challenge §11a (1) of the Prison Act and §34 (3) of the General Administrative Procedure Act, but the Court found that alternative, reasonable legal avenues existed to raise these constitutional concerns. Specifically, regarding the Prison Act, the applicant could have triggered a review by the Constitutional Court through appeals against prior execution chamber decisions in pending proceedings, and regarding the administrative order penalty, he could have pursued an appeal and a subsequent complaint under Article 144 of the Federal Constitution. Because these standard remedies were available, the individual application under Article 140 (1) of the Federal Constitution lacked the requisite standing due to the absence of unusual circumstances justifying direct intervention, resulting in the dismissal of the legal aid application under §63 (1) ZPO in conjunction with §35 (1) of the Constitutional Court Act.

Schlagwörter

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Art140 B-VG Art140 Abs1 B-VG §34 Abs3 AVG Art144 B-VG §63 Abs1 ZPO §35 Abs1 VfGG

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Art140 B-VG
Weder Art140 B-VG noch eine andere Rechtsvorschrift sieht die Abtretung von Anträgen auf Bewilligung der Verfahrenshilfe zur Einbringung eines Individualantrages an den Verwaltungsgerichtshof vor.
Art140 Abs1 B-VG
§34 Abs3 AVG
Art144 B-VG
§63 Abs1 ZPO
Cited in the reasoning associated with the first dispositive order as the substantive legal basis for dismissing the application for legal aid due to the hopelessness of the intended proceeding.
§35 Abs1 VfGG
Cited in conjunction with §63 Abs1 ZPO to establish the procedural framework for the handling and dismissal of the legal aid application.
§72 Abs1 ZPO
Dies konnte gemäß §72 Abs1 ZPO iVm §35 Abs1 VfGG sowie §19 Abs3 Z2 lite VfGG ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen werden.
§72 Abs1 ZPO iVm §35 Abs1 VfGG sowie §19 Abs3 Z2 lite VfGG
Cited in the fourth dispositive order to justify the decision being made by simplified procedure in a non-public session without oral hearing.

Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

KI-generiert
§63 Abs1 ZPO

Cited in the reasoning associated with the first dispositive order as the substantive legal basis for dismissing the application for legal aid due to the hopelessness of the intended proceeding.

§35 Abs1 VfGG

Cited in conjunction with §63 Abs1 ZPO to establish the procedural framework for the handling and dismissal of the legal aid application.

§72 Abs1 ZPO iVm §35 Abs1 VfGG sowie §19 Abs3 Z2 lite VfGG

Cited in the fourth dispositive order to justify the decision being made by simplified procedure in a non-public session without oral hearing.

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Volltext

I. Der Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe wird abgewiesen.

II. Der Antrag auf Abtretung des Verfahrenshilfeantrages an den Verwaltungsgerichtshof wird zurückgewiesen.

Begründung:

1. Mit der vorliegenden, selbst verfassten Eingabe beantragt der in der Justizanstalt Linz in Untersuchungshaft angehaltene Einschreiter der Sache nach die Bewilligung der Verfahrenshilfe zur Einbringung eines auf Art140 B-VG gestützten Antrages auf Aufhebung der Bestimmungen des §11a Abs1 Strafvollzugsgesetz (StVG) und des §34 Abs3 Allgemeines Verwaltungsverfahrensgesetz (AVG). In eventu wird die "Überweisung an [den] VwGH" begehrt.

2. Der intendierte Individualantrag wäre unzulässig:

Der Verfassungsgerichtshof hat seit dem Beschluss VfSlg. 8009/1977 in ständiger Rechtsprechung den Standpunkt vertreten, die Antragslegitimation nach Art140 Abs1 (letzter Satz) B-VG setze voraus, dass durch die bekämpfte Bestimmung die (rechtlich geschützten) Interessen des Antragstellers nicht bloß potentiell, sondern aktuell beeinträchtigt werden müssen und dass der durch Art140 Abs1 B-VG dem Einzelnen eingeräumte Rechtsbehelf dazu bestimmt ist, Rechtsschutz gegen verfassungswidrige Gesetze nur insoweit zu gewähren, als ein anderer zumutbarer Weg hiefür nicht zur Verfügung steht (zB VfSlg. 11.803/1988, 13.871/1994, 15.343/1998, 16.722/2002, 16.867/2003).

Ein solcher zumutbarer Weg ist nach der ständigen Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes u.a. dann eröffnet, wenn bereits ein gerichtliches Verfahren anhängig ist oder anhängig war, das dem Betroffenen Gelegenheit bietet bzw. bot, eine amtswegige Antragstellung an den Verfassungsgerichtshof anzuregen (zB VfSlg. 13.871/1994, 17.110/2004, 17.276/2004; VfGH 28.2.2008, G13/08). Ein Individualantrag gemäß Art140 Abs1 letzter Satz B-VG wäre in solchen Fällen nur bei Vorliegen besonderer, außergewöhnlicher Umstände zulässig (zB VfSlg. 13.659/1993, 14.672/1996).

2.1. Dem Einschreiter stand zur Geltendmachung seiner Bedenken gegen die Regelung des §11a Abs1 StVG (betreffend die Zuständigkeit der Vollzugskammer zur Entscheidung über Beschwerden gegen Entscheidungen des Anstaltsleiters) in mehrfacher Hinsicht ein zumutbarer Weg zur Verfügung:

Er hat nämlich in der Vergangenheit wiederholt (letztinstanzliche) Bescheide der Vollzugskammern bei den Oberlandesgerichten Wien und Linz iZm Beschwerden gemäß §§120, 121 StVG erwirkt (s. zB VfGH 16.6.2009, B2147/07; 28.1.2010, B1286/09; 26.4.2010, B344/10 ua.) und diese in der Folge beim Verfassungsgerichtshof angefochten. Auf diese Weise konnte der Einschreiter eine (gegebenenfalls von Amts wegen zu veranlassende) Überprüfung der Bestimmung des §11a Abs1 StVG auf ihre Verfassungsmäßigkeit beim Verfassungsgerichtshof erreichen.

Außergewöhnliche Umstände, welche die Einbringung eines Individualantrages zufolge Unzumutbarkeit eines anderen Weges ausnahmsweise zulässig machen können (vgl. zB VfSlg. 12.379/1990, 16.772/2002), liegen hier nicht vor.

Dem Einschreiter würde daher schon deshalb (ungeachtet der Frage, ob er überhaupt Adressat des §11a Abs1 StVG ist) die Legitimation für die Einbringung eines Individualantrages fehlen.

2.2. Ebenso wenig wäre der Einschreiter zur Einbringung eines Individualantrages auf Aufhebung des §34 Abs3 AVG (betreffend die Verhängung von Ordnungsstrafen wegen beleidigender Schreibweise) legitimiert: Sollte er von dieser Regelung (auf Grund einer gegen ihn verhängten Ordnungsstrafe) aktuell betroffen sein, stünde (bzw. stand) ihm auch insofern ein zumutbarer Weg zur Geltendmachung seiner Bedenken offen: Denn es wäre ihm möglich und zumutbar (gewesen), gegen einen diesbezüglichen Bescheid Berufung zu erheben und seine Bedenken nach Durchlaufen des Instanzenzuges im Wege einer Beschwerde gemäß Art144 B-VG an den Verfassungsgerichtshof heranzutragen.

Da somit jedenfalls die Zurückweisung des intendierten Individualantrages zu gewärtigen wäre, erscheint die vom Einschreiter beabsichtigte Rechtsverfolgung vor dem Verfassungsgerichtshof von vornherein als offenbar aussichtslos.

2.3. Der - nicht auf das Vorliegen sämtlicher Formalerfordernisse hin geprüfte - Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe war daher insgesamt mangels Vorliegens der Voraussetzungen des §63 Abs1 ZPO (§35 Abs1 VfGG) abzuweisen.

3. Weder Art140 B-VG noch eine andere Rechtsvorschrift sieht die Abtretung von Anträgen auf Bewilligung der Verfahrenshilfe zur Einbringung eines Individualantrages an den Verwaltungsgerichtshof vor. Der Antrag auf Abtretung des Verfahrenshilfeantrages an den Verwaltungsgerichtshof war daher zurückzuweisen.

4. Dies konnte gemäß §72 Abs1 ZPO iVm §35 Abs1 VfGG sowie §19 Abs3 Z2 lite VfGG ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen werden.